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Politik

Abbott als Wiederbelebung der Liberalen: Zwischen Hoffnung und Selbstzerstörung

Die Debatte um die Rolle des ehemaligen Premierministers und die Angst vor einer weiteren politischen Eskalation

Angesichts der existenziellen Krise der Liberalen Partei debattierten Experten intensiv über die mögliche Rolle von Tony Abbott als zukünftiger Parteivorsitzender. Nach der Entlassung von Sussan Ley nutzte Angus Taylor seine erste Pressekonferenz als Oppositionsführer, um ein Slogan zu präsentieren, der eine neue Ära des konservativen Liberalismus definieren sollte. Taylor forderte, dass die Tür für Migranten geschlossen werden müsse, die den Kernüberzeugungen Australiens nicht entsprachen. Diese wiederholte Thematik ließ an die Rhetorik von Tony Abbott erinnern, was bei einem Liberalen Abgeordneten als Anspielung auf den ehemaligen Premierminister wahrgenommen wurde.

Abbott, der als mächtigster Konservative in einer zunehmend konservativen Partei galt, erlangte am Freitag die unangefochtene Wahl zum Parteivorsitzenden. Diese Position, die typischerweise unbezahlt und zurückhaltend war, erlaubte ihm eine gewisse Distanz zur parlamentarischen Arbeit. Viele Liberalen erwarteten jedoch, dass Abbott die Partei aus ihrem Tiefpunkt heben würde, wo sie mit sinkender Mitgliederzahl und existenziellen politischen Bedrohungen durch unabhängige Abgeordnete und One Nation konfrontiert war. Andere hingegen befürchteten, dass der 68-jährige Politiker zu einer toxischen Ablenkung würde, deren Obsession mit Kulturkonflikten die Parteiräume vergiftete und die Partei noch unwählbarer machte.

Einige Liberalen bezeichneten die Ernennung von Abbott als „einen weiteren Schritt auf dem Weg unserer Selbstzerstörung“. Andere sahen in ihm eine ambivalente Figur, die manchmal brillant, manchmal verrückt und manchmal irgendwo dazwischen lag. Dennoch erkannte man, dass Abbott als derjenige galt, der die Partei möglicherweise weiter nach rechts trieb, aber auch als derjenige, der der wichtigste Anwalt gegen One Nation gewesen war. Abbott betonte in seiner Annahmeerklärung seine Pflicht, der Partei in dieser existenziellen Krise zu dienen. Taylor erklärte, dass er Abbott willkommen hieß, da dieser einer der erfolgreichsten Oppositionsführer der Geschichte gewesen sei und die Partei gemeinsam wieder aufbauen würde.

Ein weiterer, stärkerer Antrieb für Abbotts Annahme der Rolle war das „unfertige Geschäft“. Abbott glaubte, er besitze noch mehr beizutragen, nachdem seine politische Karriere durch Zali Steggall bei der Wahl 2019 beendet worden war. Seine erste Priorität lag auf einer Rückkehr in den Bundesparlament und die Frontlinien der australischen Politik. Seine Bereitschaft, sich wieder in den politischen Kampf einzubringen, stieß auf Spott und Verachtung seiner Gegner. One Nation-Abgeordneter Barnaby Joyce bezeichnete Abbotts politische Haltung als eine Form der Sucht, die man „kalte Abstinenz“ erfordern müsse.

Abbott musste sich vorerst mit der „zeremoniellen“ Position des Parteivorsitzenden zufriedengeben, welche die Leitung des obersten administrativen Entscheidungsgremiums der Partei umfasste. Abbott und Taylor würden den neuen Wahlleiter für die Liberalen bestimmen, wodurch eine Dreiergruppe die gesamten Aspekte der Partei kontrollierte. Quellen deuteten an, dass Abbott die Position nutzen wollte, um die „Demokratisierung“ aller Landes- und Territoriumzweige voranzutreiben und den Mitgliedern Macht bei der Kandidatenauswahl zu geben. Die Sorge blieb jedoch, ob Abbott über organisatorische Reformen und die Inspiration entmutigter Mitglieder hinausgehen konnte, um die tief sitzenden Ängste innerhalb der Partei zu besänftigen.

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