Ein Wissenschaftler der Universität Melbourne bestritt die Verbindung zu einem hochrangigen iranischen Politiker. Er lehnte die Zusammenarbeit in Forschungsprojekten mit dem Sprecher des iranischen Parlaments, der die Friedensverhandlungen mit den Vereinigten Staaten führte, entschieden ab. Der Akademiker wurde als Mitautor eines Fachartikels genannt, ohne dass er darüber informiert worden war.
Die Zeitung Guardian Australia enthüllte am Montag, dass Mohammad Bagher Ghalibaf, der Spitzenverhandler Irans, über das letzte Jahrzehnt hinweg umfangreiche Verbindungen zu Australien aufgebaut hatte. Dazu gehörten Beziehungen zu einem Forschungszentrum für Ingenieurwissenschaften der Universität Melbourne.
Im März 2023 erschien Ghalibaf, ein ehemaliger Kommandeur der Islamischen Revolutionären Garde, als Mitautor eines Fachartikels mit einem akademischen Mitarbeiter der Universität Melbourne, Professor Abbas Rajabifard. Dieser Mitarbeiter leitete das Forschungszentrum, das Ghalibaf’s Sohn sieben Jahre zuvor beschäftigt hatte. Professor Rajabifard erklärte später, er habe keinerlei Beteiligung an dem Artikel gehabt und forderte die Zeitschrift auf, seinen Namen aus der Publikation zu entfernen.
Der Fachartikel erschien kurz vor einem Schreiben der Außenministerin Penny Wong an Universitäten. In diesem Schreiben forderte sie die Einstellung der Zusammenarbeit mit iranischen Akademikern und Institutionen aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Menschenrechtsverzeichnisses des Regimes.
Sowohl Rajabifard als auch Mohammad Ghalibaf traten als Autoren des Artikels „Erklärung der politischen Ökonomie der Islamischen Republik und Rekonstruktion der Sozialökonomie“ auf. Rajabifard erklärte, er wisse nichts von seiner Nennung als Mitautor bis Januar und hatte die Zeitschrift unverzüglich zur Entfernung seiner Nennung kontaktiert. Er betonte, er habe weder an der Studie noch an der Verfassung des Manuskripts teilgenommen und sei zu keinem Zeitpunkt in den Forschungsprozess eingebunden gewesen.
Die Universität Melbourne äußerte sich zu den individuellen Fällen nicht. Sie erklärte jedoch, sie wisse die Risiken der ausländischen Einmischung und widme erhebliche Ressourcen der Identifizierung und Minderung dieser Gefahren. Die australische Regierung hatte klare Erwartungen an Universitäten geäußert, dass sie keine Forschungskooperationen mit iranischen Organisationen eingehen oder fördern sollten, wenn diese im Widerspruch zur Außenpolitik, den Sanktionenregeln oder den nationalen Interessen Australiens standen.