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Wissenschaft

Alan Turing: Die verborgene Seite des genialen Mannes

Kurzgeschichte enthüllt einen spielerischen und literarischen Geist hinter dem berühmten Mathematiker

Einige Menschen dachten, Alan Turing sei ein isolierter Mathematiker gewesen, der von Arroganz und mangelnder Sinnlichkeit geprägt war. Eine neue Perspektive, argumentiert eine akademische, zeichnete ein anderes Bild: Turing war ein spielerischer, witziger, frecher und literarischer Mensch, der seine Sexualität nicht verleugnete. Diese Erkenntnis resultierte aus der Transkription und Analyse einer wenig bekannten Kurzgeschichte, die Turing kurz nach seiner Verhaftung in Manchester verfasste.

Die Cambridge-Professorin Sarah Dillon untersuchte den Text und stellte die gängige Vorstellung von Turing als rein logischen Denker in Frage. Die Geschichte beleuchtete einen Mann, der die Literatur liebte, das Leben genoss und seine Sexualität nicht verachtete. Dillon hoffte, dass diese Entdeckung die Darstellung des Mannes in der Öffentlichkeit neu ordnete. Sie argumentierte, dass die populäre Darstellung Turing als einsamen Helden, wie sie in Filmen verbreitet wurde, eine ungenaue und historisch fehlerhafte Version darstellte.

Die Kurzgeschichte, betitelt „Pryce’s Buoy“, bestand aus sechs Seiten und wurde vermutlich Ende 1952 oder Anfang 1953 verfasst. Die Charaktere umfassten Ron Miller, einen Arbeiter, und Alec Pryce, einen Wissenschaftler, der für eine Erfindung in seinen Zwanzigern bekannt war. Dillon sah in Alec Pryce eine Autofiktion, die Turing selbst repräsentierte. Der Text beschrieb die Interaktion zwischen den Figuren und thematisierte die Unsicherheit und die Spannung potenzieller sexueller Begegnungen. Turing vermittelte diese inneren Konflikte und die Zögerlichkeit, die das „Was-wäre-wenn“-Gefühl einer Begegnung auszeichneten.

Dillon fand zudem deutliche Beweise dafür, dass Turing von dem Schriftsteller Angus Wilson beeinflusst worden war. Es gab klare Hinweise auf das Kopieren von Phrasen und Erzähltechniken aus Wilsons bahnbrechendem Roman. Sie betonte, dass es völlig normal sei, dass ein kreativer Schriftsteller Inspirationen aus anderen Quellen übernahm, um ihm eine Grundlage zu bieten. Die Geschichte deutete darauf hin, dass Turing ein viel glücklicheres Leben führte, als angenommen, und dass sein sexueller Geist durch seine persönlichen Erfahrungen nicht gedämpft worden war.

Die Forschungsergebnisse von Dillon wurden veröffentlicht und boten einen frischen Einblick in einen missverstandenen Geniestand. Turing wurde nicht als sozial unbewusst und rein logisch dargestellt, sondern als eine vielschichtige Persönlichkeit. Die Kurzgeschichte enthüllte einen Mann, der spielerisch, witzig, literarisch und offen für seine Sexualität war.

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