Albrecht Weinberg, ein Überlebender der NS-Konzentrations- und Todeslager und Verlust vieler seiner Familie im Holocaust, starb in Leer, in Nordwestdeutschland, Wochen nach seinem 101. Geburtstag. Sein Tod erfolgte kurz nach der Premiere eines Films über sein Leben. Weinberg hatte sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland in seinen achtzigern Jahren dem Erzählen seiner schrecklichen Erfahrungen während der NS-Zeit gewidmet.
Weinberg berichtete in Interviews, dass er seit seiner Rückkehr aus New York vor vierzehn Jahren unermüdlich und mit großer Energie seine traumatischen Erlebnisse der NS-Zeit erzählte und eindringlich vor dem Vergessen warnte. Er betonte, dass die Erinnerungen an seine Kriegszeit noch seine Gegenwart prägten und er unter Albträumen litt. Er äußerte die Sorge, was geschehen würde, wenn seine Generation nicht mehr existierte und die nächste Generation diese Ereignisse nur noch aus Büchern lesen konnte.
Weinberg erhielt 2017 den deutschen Verdienstorden, jedoch widerrief er diesen im vergangenen Jahr. Die Entscheidung erfolgte im Zuge eines Parlamentsbeschlusses, der die Rückführung vieler Migranten an den deutschen Grenzen befürwortete. Dieser Beschluss wurde durch eine rechtspopulistische Partei vorangetrieben, wobei Friedrich Merz, der nun Bundeskanzler war, die Initiative ergriff. Die Rücknahme der Auszeichnung spiegelte die politischen Spannungen wider, die die Anerkennung von Opfern der Vergangenheit betrafen.
Der Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, würdigte Weinberg in einer Stellungnahme als „Brücke – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Schmerz und Hoffnung, zwischen den Toten, die er niemals vergessen konnte, und den jungen Menschen, die er ermutigte, die Wahrheit zu suchen“. Diese Worte unterstrichen die weitreichende Bedeutung seiner Lebensleistung und seines Vermächtnisses für die Gesellschaft.