Jacinta Allan räumte ein, dass Kriminelle in einige der größten Bauprojekte Victoriens infiltriert hatten, die unter der Regierung der Arbeiterpartei als „Big Build“ bezeichnet wurden. In einem Meinungsbeitrag, den sie in der Zeitung The Age veröffentlichte, erklärte die Premierministerin, dass sie nun wussten, dass Kriminelle auf einigen Bauplätzen Victoriens agiert hatten. Allan betonte, dass es zu Gewalt, Einschüchterung und organisierter krimineller Verhaltensweisen gekommen war, was sie als schockierend und inakzeptabel bezeichnete. Sie räumte ein, dass diese Taten stattfanden, doch sie argumentierte, dass dies nicht die Mehrheit der engagierten Gewerkschaftsmitarbeiter darstellte.
Allan entschuldigte sich zutiefst dafür, dass diese Ereignisse auf Projekten stattfanden, die von den Menschen Victoriens finanziert wurden. Sie stellte jedoch klar, dass die Frage nun darin liege, wie man eine Wiederholung dieser Vorfälle verhindern konnte. Sie lehnte die Forderungen nach einer königlichen Kommission zur Untersuchung mutmaßlicher Korruption bei Gewerkschaften und Leiharbeitsfirmen wiederholt ab. Allan verwies auf frühere Beispiele in Australien, wo eine solche Kommission 46 Millionen Dollar kostete, nur eine kriminelle Verurteilung erzielte und die Kultur nicht veränderte.
Sie argumentierte, dass eine weitere Berichterstattung oder eine erneute königliche Kommission lediglich einen weiteren Bericht liefern würde. Für sie war die Veränderung des Verhaltens auf den Baustellen und die Veränderung der Kultur die eigentliche Antwort auf die Probleme. Die Kritik richtete sich gegen die Ineffektivität solcher Strukturen, die keine nachhaltige Lösung für die tief verwurzelten Probleme boten.
Vor ihrer Meinungsäußerung wurden Anschuldigungen erhoben, dass Gelder aus dem „Big Build“ an kriminelle Figuren flossen und die Regierung vor Kostenüberschreitungen durch Forderungen der Gewerkschaft (CFMEU) gewarnt worden war. Es gab auch Berichte über politischen Druck aus Allans Büro während eines Streits zwischen der CFMEU und einer Bahnkonsortium, was zur Beauftragung der bevorzugten Leiharbeitsfirma auf einer Gleisüberführungssite führte.
Allan empfahl stattdessen, dass die Polizei jegliche Anschuldigungen wegen Vergehen untersuchte. Sie erklärte, dass Victoria Police stärkere Befugnisse zur Untersuchung dieser kriminellen Handlungen erhalten hatte und über 90 Strafanzeigen erstattet hatte. Zudem wurden die Befugnisse der Behörde für Leiharbeit gestärkt, was zur Kündigung von 164 Firmen führte. Die Gewerkschaftsorganisation CFMEU wurde in die Verwaltung genommen, und Allan verließ die Arbeiterpartei Victoriens. Sie forderte eine enge Zusammenarbeit zwischen staatlichen Behörden und der Bundesregierung, um sicherzustellen, dass keine Informationen verloren gingen.