Pedro Sánchez erlebte den Erfolg, den andere linke und links-nahe Premierminister nicht erzielten. Seit Juni 2018 regierte er aus Madrid und setzte eine Reihe progressiver Politik um. Er trat als führende, oft isolierte linke europäische Stimme auf der globalen Bühne auf und nahm eine entschlossene Haltung zu Themen wie dem Krieg in dem Iran und den Handlungen Israels in Gaza ein. Die internationale Presse bezeichnete ihn als El Guapo. Innerhalb Spaniens hingegen durchlief Sánchez eine komplexe Phase: Sein innerer Kreis sah sich einem schädigenden Korruptionsskandal ausgesetzt, und die Umfragewerte seiner traditionellen sozialistischen Partei, der PSOE, schwanden. Gleichzeitig stellten jüngste Ereignisse in Ceuta und apokalyptische Waldbrände schwierige politische Herausforderungen dar, während europäische Führungspersönlichkeiten öffentlich gegen Sánchez vorgingen, kurz bevor die allgemeine Wahl im nächsten Jahr anstand.
Sowohl Andy Burnham als auch Pedro Sánchez teilten ähnliche Ursprungsgeschichten. Beide verließen zunächst ihre jeweiligen Parlamente, da diese ihre Ambitionen nicht erreichen konnten. Anschließend kehrten sie zurück und sicherten sich die Spitzenposition durch stille Neuausrichtung. Sánchez, der einst als gemäßigter Kandidat galt, verließ 2016 die Führung der Partei nach einer Reihe von Wahlniederlagen und internen Konflikten. Er begann seine Transformation, indem er sich auf die Reise in ganz Spanien legte, um den Basisvertretern und linken Wählern zuzuhören. Sánchez erkannte, dass er seine Partei nur durch Verankerung in der Linken und die Positionierung als Anführer einer breiteren progressiven Blöcke regieren konnte.
Er vollzog seine Agenda: Im Jahr 2019 versprach Sánchez die Umsetzung hunderter progressiver Maßnahmen. Er vollzog diese im Großen und Ganzen: Er investierte stark in erneuerbare Energien, erhöhte den Mindestlohn, erweiterte die Abtreibungsrechte, verbot sogenannte „homosexuelle Umwandlungspraktiken“ und begrenzte die Mietsteigerungen, während er die Steuerlast für Geringverdiener senkte. Sánchez wandte sich auch der internationalen Politik zu. Er lehnte die militärische Nutzung gemeinsamer Basen zur Angriffserklärung gegen den Iran ab und erkannte 2024 einen palästinensischen Staat an. Er bezeichnete Israels Handlungen in Gaza als „Völkermord“ und kritisierte die europäische Reaktion als „Versagen“. Diese außenpolitische Neuausrichtung stärkte seine Position als Stimme der internationalen Linken.
Trotz dieser Erfolge blieb die Führung nicht ohne Turbulenzen. Eine Reihe von Korruptionsskandalen, die seinen Bruder, seine Frau und seinen Vorgänger betrafen, traten auf, und andere Vertraute wurden mit Bestechung beschuldigt. Seine Minderheitskoalition regierte kaum, da sie seit 2023 kein neues Budget verabschieden konnten, und die PSOE verlor eine Reihe lokaler Wahlen. Sánchez lenkte den Fokus jedoch auf die außenpolitische Ebene. Er erlaubte beispielsweise die Anlegestelle der „Aquarius“ in Valencia und begann, irreguläre Migranten in Spanien zu regulieren. Trotz jüngster Zuwanderung blieben die spanischen Bürger relativ unbesorgt über Migration. Ebenso agierte Sánchez im Klimabereich: Er erklärte, der „Klimawandel töte“, und investierte Milliarden in den grünen Übergang, während Burnham zögerte, bei der Nordsee-Bohrung zu handeln. Diese proaktive Haltung im Klimabereich ermöglichte es Sánchez, die linke Wählerschaft zu absorbieren, da die Koalitionspartner von Sánchez in den Umfragen stark zurückgingen.
Für Burnham bot sich eine klare Lektion. Während Starmer versuchte, die linke Seite durch die Kritik an der Linken zu definieren, verlor die Labour-Partei bei den lokalen Wahlen im Jahr 2026 weit mehr Wähler an die Grünen als an die Reformpartei. Burnham musste liefern, und er hatte wenig Zeit vor der nächsten allgemeinen Wahl. Sánchez zeigte, dass man durch die Umsetzung materieller Themen wie die Lebenshaltungskosten und eine klare Haltung zum Klimawandel die linke Wählerschaft gewinnen konnte. Burnham musste daher zeigen, dass er ein progressiver Premierminister oder zumindest ein beeindruckender Pragmatiker war.