Die Bemühungen zur Rekrutierung von Soldaten in der Ukraine erlebten eine Eskalation, die durch zunehmende Gewalt gegen Rekrutierungsbeamte gekennzeichnet war. Berichte zeigten, dass die Schwierigkeiten bei der Mobilisierung der Männer für das fünfte Jahr der umfassenden Invasion Russlands zu direkten Auseinandersetzungen führten. Veteranen berichteten von persönlichen Angriffen, was die allgemeine Stimmung in der Armee stark beeinflusste.
Die Situation verschlechterte sich dramatisch, als die Gewalt gegen Beamte als „regelmäßig“ und „großes Problem“ eingestuft wurde. Die nationale Polizei meldete mehr als sechshundert Übergriffe auf Rekrutierungsbeamte und warnte davor, dass die Aggression „zunehmend bedrohlich“ geworden war. Erste größere Alarmfälle traten im April auf, als mehrere Rekrutierer gestochen wurden, wobei einer tödlich verstarb. Im aktuellen Monat versammelten sich zudem Hundertachtzig Demonstranten in Lwiw um Beamte, die Verdächtige von der Wehrdienstvermeidung festnahmen, und zerstörten deren Fahrzeuge.
Die Ursachen für diese Zunahme der Gewalt lagen in der allgemeinen Angst vor der Frontlinie und einer tiefen Verweigerung, sich für einen Krieg ohne sichtbares Ende zu engagieren. Militäranalytiker erklärten, dass die Verluste auf dem Schlachtfeld die Notwendigkeit einer schnellen Verstärkung erzeugten. Dies führte zur Einführung der sogenannten „Busifizierung“, bei der Soldaten in Busse verladen wurden, um sie für den Dienst bereitzustellen. Diese Maßnahme zeigte, dass die Armee auf die mangelnde Personalstärke reagierte.
Zusätzlich zu den Angriffen auf Rekrutierungsbeamte gab es auch Fälle von Gewalt durch die Rekrutierer selbst. Der Kommissar für Menschenrechte dokumentierte im vergangenen Jahr über sechstausend Beschwerden, darunter Vorwürfe von Missbrauch und unrechtmäßiger Inhaftierung. Ein Professor, der von der Wehrpflicht befreit war, erlitt bei einem Versuch, seinen Dienststatus zu überprüfen, körperliche Angriffe. Er berichtete von dem Einschüchterungsversuch, ihn in einen Bus zu drängen und körperliche Gewalt gegen ihn zu richten.
Die politische Führung sah sich mit einem Stillstand konfrontiert. Die kontroverse Entlassung des Verteidigungsministers führte dazu, dass Versuche, die Krise der Wehrpflicht anzugehen, ins Stocken gerieten. Obwohl Reformen zur Attraktivität des Militärdienstes eingeführt wurden – wie befristete Verträge und bessere Gehälter –, blieb die grundlegende Überarbeitung der Wehrpflicht auf der To-do-Liste. Die zentrale Botschaft blieb jedoch unverändert: „Jeder fürchtete, zu sterben“.