Der KI-Gigant Anthropic gab bekannt, dass er einen Börsengang in den Vereinigten Staaten plante. Das Unternehmen hinter dem populären Chatbot Claude reichte dem US-Börsenaufsichtsamt formelle Unterlagen ein, um eine erste öffentliche Angebotseröffnung in diesem Jahr zu vollziehen. Nach dem Börsengang konnten Investoren Aktien der Firma auf dem Markt erwerben und handeln, wenngleich die genauen Preise und die Anzahl der zu handelnden Aktien noch nicht festgelegt wurden.
Die Pläne von Anthropic, die parallel zu den Vorhaben von Elon Musks SpaceX liefen, dienten wahrscheinlich als Test, ob die Investorenbereitschaft den stark gestiegenen Bewertungen von künstlicher Intelligenz entsprach. Anthropic, das vor fünf Jahren von dem Vorstandsvorsitzenden Dario Amodei und einer kleinen Gruppe anderer Führungskräfte gegründet wurde, hatte kürzlich Kapital von privaten Investoren aufgenommen, das das Unternehmen auf über 965 Milliarden Dollar bewertete. Diese Bewertung positionierte Anthropic vor OpenAI, das von privaten Investoren zuletzt mit 852 Milliarden Dollar bewertet wurde.
Amodei gründete Anthropic nach seiner Zeit bei OpenAI, wo er aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Sam Altman das Unternehmen verließ. Die beiden Firmen entwickelten seitdem ähnliche Technologien und kämpften um die Aufmerksamkeit und die Ausgaben von Nutzern sowie Unternehmenskunden. OpenAI erwog ebenfalls einen Börsengang in diesem Jahr, doch Altman erklärte, dass sie dies erst tun würden, wenn es für sinnvoll sei.
Experten sahen den Börsengang als entscheidenden Maßstab für die Bewertung generativer Intelligenz. Ein Analyst betonte, dass der erste Marktteilnehmer die Chance hatte, zu definieren, wie öffentliche Märkte generative KI bewerteten und somit den Maßstab für alle anderen setzten. Es wurde prognostiziert, dass der Börsengang von Anthropic der am genauesten untersuchten öffentliche Erwerb in der Technologiegeschichte wurde, wobei Investoren die Geschäftsmargen und die Rentabilität der KI-Kosten prüften.
Parallel zu diesen Entwicklungen sah sich Anthropic auch rechtlichen Herausforderungen gegenüber. Nach einer Forderung des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten (DoD) wurde Amodei seine Bedenken öffentlich. Obwohl Claude als der erste moderne KI-Chatbot und Modell auf US-Regierungsnetzwerken eingesetzt wurde, die klassifiziert waren, deutete die neue Vertragsformulierung auf die Möglichkeit hin, dass die KI für Massenüberwachung oder für vollständig autonome Kriegswaffen genutzt werden konnte. Die Firma leitete daraufhin rechtliche Schritte gegen die Regierung ein.
Obwohl die Spannungen mit Anthropic gelinderten Zeichen aus dem Weißen Haus zeigten, lief die Klage weiter. Das Unternehmen teilte Investoren mit, dass es voraussah, im ersten Halbjahr Gewinne zu erzielen, da die Verkäufe des Claude-Produkts und verwandter Dienstleistungen signifikant gewachsen waren. Weder SpaceX noch OpenAI erzielten derzeit Gewinne.