Die australische Anti-Korruptionsbehörde war mit der Aussage des ausscheidenden Chefs zutiefst beunruhigt. Er erklärte, dass die Mitarbeiter vor jeglichen Fehlern in Fakten oder Gesetzen fürchteten. Diese Atmosphäre der Angst entstand durch die laufenden Untersuchungen, welche den Kommissar in seinen Aufgaben störten. Der Kommissar Paul Brereton verteidigte seine Entscheidungen als erste Führungskraft der Aufsichtsbehörde und begründete seinen Rücktritt mit den Ablenkungen, die durch die Ermittlungen entstanden. Er betonte, dass die Notwendigkeit, sich selbst und die Behörde zu verteidigen, ihn vom eigentlichen Ziel seiner Tätigkeit ablenkte.
In einer angespannten Ausschussanhörung im Senat erklärte Brereton, er habe sich drei Jahre nach einer Fünfjahresperiode zurückgezogen. Er argumentierte, dass die fortwährenden Untersuchungen nicht in seinen oder der Institutionen besten Interesse lagen. Er erläuterte, dass die Tatsache, dass er unter Untersuchung stand und von der eigentlichen Arbeit abgelenkt wurde – sei es durch die Verteidigung seiner Person oder durch die Notwendigkeit der Verteidigung der Behörde – der Grund für seinen Rücktritt war. Er stellte fest, dass die Mitarbeiter nun in einer Kommission arbeiteten, in der sie vor der Gefahr einer Feststellung von Amtsmissbrauch fürchteten.
Gail Furness, die Inspektorin der NACC, welche die Beschwerden über das Verhalten der Behörde überwachte, enthüllte am Dienstagabend, dass sie eine zweite Untersuchung gegen den Kommissar leitete. Sie gab jedoch die Art der Beschwerde nicht preis. Die erste laufende Untersuchung betraf Breretons Beratertätigkeiten für seinen früheren Arbeitgeber, den Inspektor-General der australischen Verteidigungskraft. Ein unvollständiger Bericht dieser Ermittlung wurde Brereton übergeben, und dessen Fertigstellung erwartete man bald.
Die zweite Untersuchung betraf eine unabhängige Beschwerde. Furness versicherte, dass die Ermittlungen auch nach Breretons Rücktritt fortgesetzt werden konnten. Breretons Tätigkeit für den Inspektor-General bezog sich auf seine frühere Position bei der Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen, welche australischen Truppen in Afghanistan vorgeworfen wurden. Er beschrieb diese Tätigkeit in einem Brief an den Justizminister im Oktober als „laufende, sehr bescheidene informelle Unterstützung“. Brereton räumte ein, dass er zwar zu diesem Ergebnis beigetragen hatte, seine Standards jedoch nicht unter einen angemessenen Maßstab gefallen seien.
Der Chef der Exekutive der NACC, Philip Reed, verteidigte Brereton und berichtete, dass er von Parlamentariern und Kommentatoren „sehr schlecht behandelt“ worden sei. Die stellvertretende Kommissarin Nicole Rose hatte bereits früher im Mai von ihrer Position zurückgetreten. Die Behörde sah sich zudem mit Kritik konfrontiert, nachdem eine anfängliche Entscheidung im Jahr 2024, sechs Personen, die von der Robodebt-Richterkommission verwiesen worden waren, nicht zu untersuchen, revidiert worden war. Die NACC-Berichte, die diese Fälle betrafen, stellten fest, dass zwei der verwiesenen Beamten schwerwiegendes Korruptionsverhalten gezeigt hatten.