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Kultur

Das Baumhaus an der Mauer: Ein Symbol des Widerstands in Berlin

Die Geschichte eines Gastarbeiters und die Verteidigung eines Stücks Freiheit

In Berlin existierte ein Ort, der die Konvergenz historischer Strömungen darstellte: eine kleine Verkehrsinsel mit einem gepflegten Garten und einer ramponierten zweistöckigen Struktur, dem Baumhaus an der Mauer. Dieser Ort verkörperte die komplexe Geschichte der Teilung und des Widerstands in der Stadt. 1983 suchte Osman Kalin, ein türkischer Gastarbeiter, in dieser Gegend nach einem Stück Land, um dort Gemüse anzubauen. Dieses Stück Erde lag direkt neben der Berliner Mauer und dem Drahtzaun. Obwohl das Grundstück in West-Berlin lag, gehörte es nach der Logik des Kalten Krieges offiziell dem kommunistischen Osten.

Die Mauer schnitt scharf an einer Kurve der Bethaniendamm-Straße entlang. Die Konstruktion ließ ein dreieckiges Stück Land auf der falschen Seite zurück. Weder Seite konnte dieses Stück nutzen, weshalb die Anwohner es zunächst als Müllplatz beanspruchten. Erst Osman Kalin fand das Potenzial in dem fruchtbaren Boden unter dem verlassenen Mobiliar und den weggeworfenen Drogenutensilien. Es erforderte eine gewisse Kühnheit, etwas in unmittelbarer Nähe der Mauer zu errichten, die von ostdeutschen Soldaten mit Tötungsbefehlen patrouilliert wurde.

Über Jahrzehnte hinweg symbolisierte der „Guerrilla-Garten“ einen rebellischen Geist in dunklen Zeiten. Er stand für die Einfallsreichtum der Einwanderer, die oft unerwünscht empfunden wurden, sowie für die Tragik und Absurdität des Großmachtkonfrontations in einer Stadt, in der Bürger auf beiden Seiten lediglich die Freiheit atmen wollten. Kalin, einer der ersten Generationen der Gastarbeiter, die Westdeutschland zur Deckung eines Arbeitskräftemangels holte, wurde als eine bemerkenswerte Figur beschrieben.

Kalin besetzte zunächst das Land mit seinem Gemüsebeet und einer kleinen improvisierten Werkstatt. Schließlich gewann er jedoch gegen alle Widerstände die Erlaubnis der ostdeutschen Behörden, dort zu bleiben, solange sein Bauwerk nicht höher als die Mauer wurde. Mit der Zeit ersetzte er die Werkstatt durch das größere Baumhaus, das zwar nicht in den Ästen stand, sondern um einen ausgereiften Stamm herum errichtet wurde. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 sah sich Kalin mit Räumungsanordnungen konfrontiert, fand jedoch eine unerwartete Verbündete in der benachbarten St. Thomas Kirche, welche historische Unterlagen vorlegte, die sie als rechtmäßigen Eigentümer des Landes identifizierten und ihm den Aufenthalt erlaubten.

Nach dem Tod Kalins im Jahr 2018 kümmerte sich sein Sohn Mehmet um das Anwesen und das Erbe seines Vaters. Ein Historiker betonte, dass dieses Gebäude viele Aspekte Berlins und seiner Bevölkerung zusammenfasste. Die Geschichte der deutschen Teilung und des Eisernen Vorhangs blieb für das Selbstverständnis Berlins entscheidend. Das Baumhaus galt als eines der wenigen materiellen Erbe, in dem die Handlungsfähigkeit türkischer Gastarbeiter als echter Teil der Stadtlandschaft sichtbar wurde.

Aktuell drohte die Stadtverwaltung, das Baumhaus als Gefahr für die öffentliche Sicherheit abzureißen. Unterstützer riefen zum Schutz des Bauwerks auf. Die Spannung zwischen den Bewahrern der Authentizität und den Sicherheits- und rechtlichen Bedenken führte zu einer intensiven Debatte. Lokale Politiker arbeiteten eng mit der türkischen Gemeinschaft und Kalins Sohn zusammen, um die notwendigen Genehmigungen für die Erhaltung des Ortes zu erwirken. Die Geschichte Kalins blieb somit ein lebendiges Zeugnis von Widerstand, Gemeinschaftssinn und Multikulturalität in Kreuzberg.

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