Die Bayeux-Tapisserie überlebte zahlreiche Gefahren, von Kathedralenbränden bis hin zur Gefahr der Zerstörung als Ladung. Mit der bevorstehenden Ausstellung in London stand die Forschung vor neuen Herausforderungen, die weit über die physische Bewahrung hinausgingen. Die Ankunft der Wandbehang in der British Museum in den frühen Morgenstunden des Freitags markierte einen historischen Moment, wenngleich dieser weniger dramatisch war als die Landung Wilhelms des Eroberers.
Die Überführung des 70 Meter langen Wandbehangs aus Frankreich in das Vereinigte Königreich erforderte moderne Ingenieurskunst. Zunächst musste die Stickerei vom Museum in Bayeux entfernt und auf eine faltbare Leinwand, den sogenannten Paravent, montiert werden. Dieser wurde anschließend gepolstert. Experten beschrieben die Methode als eine Art Concertina-Faltung. Die Transportsysteme umfassten komplexe Konstruktionen, bei denen Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgfältig kontrolliert wurden. Dies gelang durch eine innere Kiste, die den Paravent umschloss, und eine äußere Kiste, welche aus Drahtseilisolatoren bestand, um Schocks und Vibrationen abzufangen, sowie einem Aluminiumrahmen.
Um die fragile Arbeit sicher zu transportieren, führten die Experten bereits im Vorjahr zwei Probenfahrten durch. Eine dieser Fahrten diente dazu, die Vibrationswerte auf der Tapisserie zu überwachen. Die technische Herausforderung beschränkte sich jedoch nicht auf den Transport; die Präsentation erforderte ebenfalls wissenschaftliche Innovationen. Das Museum stellte fest, dass Licht, Staub, Insekten, Schimmel und Temperaturschwankungen die Materialien gefährden konnten.
Zur Verhinderung des Verfalls plante man eine maßgefertigte Vitrine, die als eine der längsten je errichteten Konstruktionen galt, um die Bedingungen wieder zu kontrollieren. Die Ausstellung erfolgte unter geringer Lichtintensität, und die Beleuchtung wurde ausgeschaltet, sobald Besucher nicht anwesend waren. Die Entfernung der Tapisserie aus ihrer vorherigen Hülle eröffnete zudem die Möglichkeit für neue wissenschaftliche Analysen. Diese Untersuchungen konnten nun auf die Materialien selbst angewandt werden, was seit den frühen Achtzigern nicht möglich gewesen war.
Für zukünftige Forschungsvorhaben, die voraussichtlich im Rahmen einer Restaurierung in Frankreich stattfanden, standen verschiedene Themen im Fokus. Es sollte untersucht werden, ob der Leinenstoff aus Flachs bestand, welche Schafrasse die Wolle lieferte und welche Färbungschargen in der Stickerei verwendet wurden. Solche Analysen sollten helfen, die Produktionsphasen der Bayeux-Tapisserie zu verstehen und die Frage klären, ob die neun Leinenstücke in derselben Werkstatt gefertigt worden waren. Die wissenschaftlichen Möglichkeiten für diese Untersuchungen waren umfangreich, wenngleich die eigentlichen Analysen nicht in London stattfanden.