Der Kampf um die Unabhängigkeit von Ben & Jerry’s war existenziell. Ben Cohen, Mitbegründer des Unternehmens, äußerte sich kritisch über die jüngsten Produktentscheidungen, während er gleichzeitig eine intensive Kampagne zur Befreiung der Marke von der Muttergesellschaft anstieß. Die Debatte drehte sich nicht nur um die Qualität der Produkte, sondern um die tiefgreifende ideologische Kluft zwischen den Gründern und den Unternehmensverwaltern.
Cohen kritisierte die neue Schokoladen-Eiscreme als minderwertig, was als Versuche zur Kostensenkung empfunden wurde. Diese Kritik entstand inmitten eines anhaltenden Konflikts, bei dem die soziale und wirtschaftliche Bedeutung von Ben & Jerry’s durch die Unternehmensstruktur untergraben wurde. Die Marke, die für ihre gesellschaftliche Haltung bekannt war, stand nun im Zentrum eines juristischen und existenziellen Kampfes.
Die Grundlage für den Schutz der Marke lag in einem unabhängigen Verwaltungsrat, der die Stimme, die Werte und die Qualität des Eiscremes bestimmte. Dieser unabhängige Rahmen zerfiel jedoch. Im November 2024 reichte der Verwaltungsrat von Ben & Jerry’s Klage gegen die Muttergesellschaft Unilever ein, da diese sich weigerte, Unterstützung für die Situation im Gazastreifen zu zeigen. Unilever verlor dadurch die Kontrolle über die Markenstimme.
Im September 2025, nachdem Unilever ihre Eiscreme-Marken in die Magnum Ice Cream Company überführt hatte, startete Cohen seine Kampagne „Free Ben & Jerry’s“. Er forderte Magnum auf, die Marke zu verkaufen, damit diese eigenständig geführt und betrieben werden konnte. Cohen argumentierte, dass Konsumenten Authentizität und Haltung suchten und dass die Marke für diese Werte unverzichtbar blieb.
Um Druck auf die Muttergesellschaft auszuüben, rief Cohen zu einem Boykott anderer Magnum-Marken auf. Er glaubte, dass die Verringerung der Gesamtverkäufe die notwendige Hebelwirkung erzeugen würde. Experten äußerten jedoch Skepsis hinsichtlich der Wirksamkeit solcher kollektiven Aktionen, da die Konsumenten möglicherweise nicht die notwendige langfristige Aufmerksamkeit für eine nachhaltige Mobilisierung besaßen.
Die Geschichte der Marke war geprägt von tiefen Brüchen. Nach dem Verkauf an Unilever im Jahr 2000 wurde die Marke durch einen Deal mit einem unabhängigen Verwaltungsrat gesichert. Später führten Entscheidungen innerhalb der Unternehmensführung zu weiteren Spannungen, darunter die Entlassung des CEOs und der Rücktritt von Mitgründern, die die verlorene Unabhängigkeit beklagten. Die Frage, ob die Marke für den Verkauf wert war, stellte sich im Zuge dieser Entwicklungen auf.
Obwohl die Kampagne zur Rückübernahme von Ben & Jerry’s von Cohen geführt wurde, versicherte Magnum, dass die Marke nicht zur Veräußerung bereit sei. Die Unternehmensführung betonte, dass Ben & Jerry’s als Teil der Magnum Ice Cream Company erfolgreich bliebe und dass die soziale Mission der Marke weiterhin unterstützt wurde. Dennoch blieb die Debatte über die Zukunft der Unabhängigkeit von Ben & Jerry’s ein zentrales Thema für die gesamte Branche.