Flávio Bolsonaro gewann die erste Wahlrunde der brasilianischen Präsidentschaftswahl und nutzte die aufsteigende rechte Welle. Sein Erfolg wurde als jüngstes Beispiel für eine Wiederbelebung der rechten Unterstützung in Lateinamerika gefeiert. Obwohl er keine absolute Mehrheit erreichte, verlor sein Gegner, Luiz Inácio Lula da Silva, die Chance auf den Sieg in der ersten Runde. Dies bedeutete, dass sein Linkspartner ein beispielloses Ergebnis benötigte, um den Präsidentenposten zu halten.
Der Senator Bolsonaro, der älteste Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro war, genoss die Unterstützung der rechten politischen Dynastie. Er war 45 Jahre alt und überraschte Beobachter, indem er vor dem 80-jährigen Lula der Arbeiterpartei an der Spitze stand. Die Umfragen hatten einen engen Wettbewerb prognostiziert, wobei Lula und Bolsonaro statistisch gleichgestellt waren. Am Sonntag erzielte Flávio Bolsonaro 56,1 Millionen Stimmen, während Lula 53,8 Millionen Stimmen erhielt.
Ein Teil des Erfolgs Bolsonaros lag möglicherweise weniger in seiner allgemeinen Beliebtheit, sondern in der Ablehnung von Lula. Pollinggruppen wie Datafolha deuteten darauf hin, dass die Wahl ein Kampf der Ablehnungsraten war. Die jüngste Umfrage zeigte, dass beide Kandidaten vor der Wahl die gleiche Ablehnungsrate bei den Wählern aufwiesen. Das Problem für Lula erschien jedoch gravierender. Eine Umfrage ergab, dass 49 Prozent sein Regierungsgeschäft ablehnten, während die Zustimmung bei 48 Prozent lag.
Die Unzufriedenheit der Wähler mit Lula zeigte ein Paradoxon. Obwohl die offizielle Arbeitslosenquote auf ihrem historischen Tiefstand lag, um die 5,3 Prozent, und das Durchschnittseinkommen auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Erfassung, zeigten die Brasilianer erhebliche Unzufriedenheit mit ihren Lebensbedingungen. Lula versuchte, dieses Problem anzugehen, indem er die Sozialhilfe Bolsa Família um 15 Prozent erhöhte und das Online-Glücksspiel verbot, welches 2018 legalisiert worden war. Diese Maßnahmen führten jedoch zu Verlusten im Haushaltseinkommen durch Sucht.
Ein weiterer Faktor für Flávios Erfolg war seine Positionierung im Verhältnis zum brasilianischen Obersten Gerichtshof. Er kritisierte die Entscheidungen des Gerichts auf eine Weise, die seinem Vater ähnelte. Bolsonaro kritisierte die Verurteilung seines Vaters wegen eines angeblichen Staatsstreichs im Jahr 2023 und verglich dies mit dem Angriff auf das Kapitol Hill in Washington D.C. 2021. Zudem nutzte Flávio eine Kontroverse bezüglich des Banco Master Korruptionsskandals, bei dem der Banker Daniel Vorcaro verhaftet wurde. Diese Kontroverse betraf auch indirekt Lula, da die Polizei vermutete, Vorcaro habe versucht, Hilfe bei der Verhaftung zu erhalten. Der rechte Bolsonaristische Flügel konsolidierte sich als unumgängliche politische Kraft.