Der mächtigste Akteur in Bosnien und Herzegowina erklärte, er ziehe sich aus dem Amt zurück. Christian Schmidt, der seit 2021 als internationaler Vertreter fungierte, beendete seine Tätigkeit im Rahmen einer persönlichen Entscheidung. Seine Amtszeit war von Konflikten und Kontroversen geprägt. Sein Büro teilte mit, dass Schmidt den Dienst bei der Umsetzung des Friedens in Bosnien und Herzegowina beendete.
Seine Ernennung erhielt nie die Zustimmung Russlands, und nun verlor er zudem die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Dies machte seine Position unhaltbar. Eine größere Problematik bestand darin, ob das Büro des Hohen Vertreters selbst eine Zukunft besaß und wo dies Bosnien zurücklassen würde. Die Rolle des Vertreters entstand aus dem Dayton-Friedensabkommen von 1995, welches den ruinösen ethnischen Konflikt des Landes beendete. Der UN-bestellte Vertreter sollte sicherstellen, dass das Abkommen eingehalten wurde, und besaß weitreichende Befugnisse, um die zerstrittenen ethnopolitischen Führer des Landes in Schach zu halten.
Während seiner Amtszeit nutzte Paddy Ashdown die sogenannten „Bonn-Mächte“, um im Jahr 2004 sechzig bosnisch-serbische Beamte für die Nichtkooperation mit dem Haag-Tribunal zu entlassen. Ashdown erhielt daraufhin den nicht ganz schmeichelhaften Spitznamen „Vizekönig von Bosnien“. Die nachfolgenden Inhaber des Amtes agierten wesentlich zurückhaltender. Die internationalen Unterstützer Bosniens konzentrierten sich auf die Angelegenheiten der Landesführer, die selbstständig mit ihren Belangen umgingen.
Das Scheitern dieses Ansatzes spiegelte sich in Schmidts aktiverer Rolle wider, die er nach seiner Ernennung annahm. Er nutzte wiederholt die Bonn-Mächte, um Separatismusgesetze zu blockieren, die vom bosnisch-serbischen Führer Milorad Dodik vorangetrieben wurden. Dodik ignorierte diese Blockaden. Dieser Kampf führte dazu, dass Dodik eine Strafhaft von einem Jahr und ein sechsjähriges Verbot der öffentlichen Ämter erhielt. Es schien jedoch, dass Dodik der langfristige Gewinner blieb. Seine teure Anstellung von Washingtoner Lobbyisten zahlte sich aus, als die Vereinigten Staaten ihre langfristigen Sanktionen gegen ihn aufhoben. Skeptiker bemerkten Dodiks spätere Unterstützung für die Vergabe eines großen Gaspipeline-Projekts an eine bisher unbekannte US-Firma mit Verbindungen zur Trump-Familie. Schmidts Bedenken bezüglich dieses Projekts kosteten ihn jedoch die Unterstützung Washingtons.
Der nächste Schritt konnte für die Zukunft Bosniens von entscheidender Bedeutung sein. Schmidt erklärte, er bliebe im Amt, bis ein Nachfolger ausgewählt wurde. Russland unterstützte jedoch wiederholt Dodiks Forderungen nach der Auflösung des Büros des Hohen Vertreters. Sollte die Vereinigten Staaten eine ähnliche Haltung einnehmen, verlor Bosnien die einzige Figur, die als Schutzschild gegen die separatistischen Ambitionen ethnonationalistischer Führer dienen konnte.