Hunderte von Migranten errichteten auf einem Strand in Ceuta, der spanischen Exklave, ein provisorisches Lager. Die lokalen Behörden kämpften mit den Folgen einer massiven Grenzüberschreitung, die in der vergangenen Woche stattfand. Spanien erklärte Marokko für die Ursache des Grenzüberschusses und deutete die Verantwortung auf den nordafrikanischen Partner zurück.
Spanien schätzte, dass in den letzten vier Tagen 69.500 Migranten nach Marokko zurückgebracht wurden. Diese Zahl übertraf die anfänglichen Prognosen von etwa 50.000 Ankünften in Ceuta am Donnerstag. Auf der spanischen Seite der Grenze verzeichnete man einen offiziellen Todesfallzahl von 72, während auf der marokkanischen Seite elf Todesfälle gemeldet wurden.
Viele der Überlebenden nannten den Verlust von Geschäften, die daraus resultierenden Nahrungsmittelknappheiten sowie die Feindseligkeit der lokalen Bevölkerung als Gründe für ihre Notlage. Ceuta und Melilla, die andere nordafrikanische Exklave Spaniens, erlebten häufig Versuche von Migranten, nach Europa zu gelangen.
Auf Aufnahmen aus der Stadt sah man zahlreiche Migranten, die sich gegen den Wind mit Handtüchern bedeckten und auf El Trampolin ruhten. Juan Jesus Vivas, der Leiter von Ceuta, berichtete, dass zwischen 3.000 und 5.000 Migranten in der Exklave verblieben seien und die beiden Aufnahmezentren kollabiert seien.
Die Krise entfachte diplomatische Spannungen innerhalb der Europäischen Union. Der Außenminister Jose Manuel Albares erklärte, dass Spanien nun dieselbe Unterstützung von anderen EU-Ländern bei Migrationskrisen erwartete. Er kritisierte die italienische Regierung für ihre Rolle bei der Verbreitung von Fehlinformationen.
Marokko gab seine Sichtweise bekannt und gab die Zunahme der Migration auf Fehlinformationen in den sozialen Medien, Menschenhandelsnetzwerke und eine Fehlinterpretation eines spanischen Gerichtsurteils zur Verantwortung. Die Nachrichtendienststellen Spaniens kamen jedoch zu einem anderen Schluss.
Nach Berichten von El Pais und Cadena SER kamen spanische Nachrichtendienstliche Schlussfolgerungen zu dem Ergebnis, dass Marokko die Massenbewegung nicht geplant hatte, diese jedoch zuließ. Die Grenzkontrollen Marokkos lockerten sich im Juli und wurden angeblich entfernt, als die Menschenmassen zum Grenzübergang Tarajal strömten.