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Wirtschaft

Chinas Schatten: Europäische Industrie sah sich der Abhängigkeit ausgesetzt

Importabhängigkeit und die Gefahr der Deindustrialisierung

Europa sah sich einem neuen Schock aus China gegenüber, welcher die lokale Fertigung bedrohte und zu Arbeitsplatzverlusten sowie einer faktischen Kolonisierung der Industrie durch Peking führte. Handelsanalysten und Vertreter befürchteten, dass der Einbruch des Wechselkurses und die Unterstützung für chinesische „Zombiesfirmen“ Echo auf die Krise vor fünfundzwanzig Jahren hatten, als der Begriff „China-Schock“ geprägt wurde. Dieser bezeichnete die Auswirkungen des Aufstiegs Chinas auf die globale Handelslandschaft, als es Mitglied der Welthandelsorganisation wurde, was den Importen von Waren führte und lokale Industrien verdrängte und bis zu 2,5 Millionen Arbeitsplätze vernichtete.

Jens Eskelund, Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking und erfahrener Beobachter Chinas, erklärte, dass das Problem nicht die Fertigwaren wie Elektrofahrzeuge seien, sondern die schiere Menge an Komponenten, die aus China importiert wurden. Er betonte, dass Europa zunehmend von China abhängig wurde, da chinesische Komponenten tiefer in die industrielle Struktur der Union eingebettet wurden.

Die EU sah sich daher mit ernsten Entscheidungen konfrontiert. Ein Bericht der Financial Times zeigte, dass der Block erwog, europäische Unternehmen zu zwingen, kritische Komponenten von mindestens drei verschiedenen Lieferanten zu beziehen. Die Europäer berieten sich auf dringende Gespräche, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Oliver Richtberg, Leiter des Außenhandels bei der VDMA, lobte die engagierte Haltung Brüssels, betonte jedoch, dass Berlin nicht ausreichend involviert sei.

Ein weiterer Faktor für die Kostenreduktion chinesischer Produkte waren staatliche Subventionen, die in Europa unmöglich waren. Jürgen Matthes, ein deutscher Ökonom, bemerkte, dass Veränderungen des Wechselkurses in den letzten fünf Jahren den Yuan um 40 Prozent gegenüber dem Euro unterbewertet hätten, was den Beschaffungsleitern wenig Wahl ließ. Richtberg argumentierte, dass es rational sei, Produkte zu wählen, deren Qualität 95 Prozent der europäischen Produkte erreichte, wenn sie gleichzeitig 30 bis 50 Prozent günstiger waren. Diese Situation verletzte die europäische Industrie zutiefst.

Daten belegten die Gefahr der Industriekanibalisierung. Die Recherche des Instituts Soapbox zeigte, dass die Abhängigkeit von China nicht nur bei Rohstoffen, wie Aminosäuren, sondern auch bei Polymeren und polyhydrischen Alkoholen, die in Kunststoffen und Kosmetika verwendet wurden, gravierend war. Etwa 96 Prozent der Importe der EU erfolgten in Volumen aus China. Die Gefahr lag nicht nur im günstigen Input, sondern darin, dass niedrige Preise die europäische Produktion unrentabel machten und die Union von der Quelle abhängig machten, die sie verdrängt hatte.

China wurde zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands und verdoppelte sein Handelsüberschuss gegenüber Deutschland von 12 Milliarden Dollar auf 25 Milliarden Dollar. Schätzungen zufolge verloren Deutschland seit 2019 etwa 250.000 Industriejobs, wobei der schärfste Rückgang in der Automobilfertigung etwa 51.000 Arbeitsplätze zwischen 2024 und 2025 betraf. Eskelund warnte vor einer existenziellen Bedrohung: „Wenn dies auf diesem Niveau fortgesetzt wird, wird es sehr signifikant sein. Es gab bereits Deindustrialisierung – Deutschland verlor monatlich etwa zehntausend bis fünfzehntausend Arbeitsplätze. An einem Punkt könnte dies über ein wirtschaftliches Problem hinausgehen und zu einer Sicherheitsfrage für Deutschland werden.“

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