Eine enorme Menge Kokain wurde bei einer Durchsuchung einer vermuteten illegalen Lagerstätte nahe der Hauptstadt Monrovia in Liberia beschlagnahmt. Die Behörden bezeichneten diese Aktion als die größte Drogenraubaktion in der jüngeren Geschichte des Landes. Polizeifotografien und Videos zeigten Dutzende versiegelter Koffer und Kartons in einem Lastwagen, den die Ermittler als Inhalt mit hochreinem Kokain identifizierten.
Der Polizeichef Gregory Coleman bestätigte, dass forensische Tests die Substanz als Kokain bestätigt hatten. Der geschätzte Straßenwert der beschlagnahmten Menge belief sich auf über 370 Millionen Dollar (etwa 220 Millionen Pfund). Während der Razzia in Duazon, einer Stadt etwa zwanzig Kilometer östlich von Monrovia, wurden mehrere Personen festgenommen, darunter zwei Ausländer und verschiedene Liberianer. Es wurden noch keine formellen Anklagen gegen die Verhafteten bekannt gegeben.
Coleman erklärte, dass die Beschlagnahmung am Dienstag das Ergebnis einer langwierigen Untersuchung von Drogenhandelsnetzwerken in Liberia sei. Er merkte an, dass zwischen 2018 und 2023 eine Wiederbelebung des großen Handels und des Transits in Liberia stattfand. Die Operation sei das Ergebnis dieser Überwachung gewesen.
Die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Herkunft und das Endziel der Drogen. Es blieb unklar, woher die Substanzen stammten oder wohin sie bestimmt waren. Die Polizei untersuchte die Situation, als die beiden Ausländer in Liberia ankamen und festgenommen wurden. Es wurde bestätigt, dass einer der Ausländer zwei Reisepässe besaß – einen spanischen und einen kolumbianischen – während der andere einen serbischen Reisepass trug.
Zusätzlich zur Duazon-Operation hatte die Polizei bereits im vergangenen Monat sechs Frachtkisten am Roberts International Airport abgefangen. Bei dieser Kontrolle entdeckten Sicherheitsbeamte Unregelmäßigkeiten bei der Begutachtung. Die Sendung, die fälschlicherweise als Lebensmittelgewürze und Textilien deklariert wurde, enthielt fast 200 komprimierte Kokainblöcke, die für den Export bestimmt waren. Diese Flughafenkontrolle löste politische Kontroversen aus, da Kritiker die Behörden dafür verurteilten, zu langsam bei der Identifizierung der Verdächtigen zu handeln. Präsident Joseph Boakai veranlasste infolgedessen eine gemeinsame Untersuchung zwischen der Polizei und der Liberia Drug Enforcement Agency (LDEA).
Westafrika galt lange Zeit bei internationalen Strafverfolgungsbehörden als wichtige Transitroute für Kokain, das aus Südamerika nach Europa transportiert wurde. Berichten zufolge durchquerte mindestens 30 Prozent des für Europa vorgesehenen Kokains die Region. Organisationen gegen grenzüberschreitende organisierte Kriminalität wiesen darauf hin, dass die Beschlagnahmungen in Westafrika seit 2019 stetig zunahmen. Die Vereinten Nationen warnen ebenfalls vor der wachsenden Bedrohung durch Drogenhandelsnetzwerke in der Region, da die von Drogenkartellen durchgeführten Operationen zunehmend raffinierter wurden.