Das Schienennetz der Deutschen Bahn stand am Dienstag still. Eine fehlerhafte Wartungsmaßnahme im internen Kommunikationsnetz führte zu einem kompletten Stillstand, wodurch Hunderttausende von Fahrgästen ihre Reise nicht fortsetzen konnten. Der nationale Verkehrsbetreiber sah sich aufgrund des daraus resultierenden Chaos massiver Kritik ausgesetzt.
Die anfängliche Vermutung galt einem Cyberangriff. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Störung wahrscheinlich durch den geplanten Austausch eines veralteten Bauteils in dem internen Kommunikationsnetzwerk ausgelöst wurde, welches für den Betrieb der Züge unerlässlich war. Als Vorsichtsmaßnahme wurden die Züge abrupt gestoppt, was viele Reisende auf den Gleisen oder in den Bahnhöfen festhielt. Auch Güterzüge waren von dieser Unterbrechung betroffen.
Nach zwei Stunden erfolgte eine Systemwiederherstellung in den frühen Morgenstunden des Mittwochs, doch die Wiederherstellung der normalen Betriebsweise dauerte wesentlich länger. Die Bahn gab am Mittwoch eine entschuldigende Stellungnahme ab. Philipp Nagl, Chef-Executive der staatlichen Gesellschaft DB InfraGO, analysierte die Ursache der Störung sorgfältig und versprach, höchste Priorität auf die Verhinderung zukünftiger Wiederholungen zu legen.
Nagl erklärte, dass die Ursache der Störung im GSM-R-Digitalfunksystem auf den geplanten Austausch eines technischen Komponenten lag. Diese nationale Verwirrung trat auf dem Hintergrund jahrelanger Probleme mit dem Schienenverkehr auf. Die Bahn, einst ein Synonym für Effizienz und Pünktlichkeit, sah sich zunehmend Schwierigkeiten durch mangelnde Investitionen und Überkapazitäten gegenüber.
Die Pünktlichkeit sank auf nur 59 Prozent im Februar, verglichen mit 66 Prozent vor einem Jahr, wobei ein Drittel der Fernzüge verspätet ankam. Die Bahn galt als Indikator für die finanzielle und strukturelle Lage des Landes. Angesichts der wirtschaftlichen Flaute wurde das Schienennetz als Beispiel für notwendige Aufholmaßnahmen betrachtet. Ein pessimistisches Klima herrschte unter der Bevölkerung hinsichtlich der zukünftigen Erfolgschancen.
Das Schienennetz durchläuft eine milliardenschwere Überarbeitung, welche weitere Unterbrechungen auf wichtigen Strecken verursachte. Die Geschäftsführung der Bahn, Evelyn Palla, äußerte, dass wesentliche Verbesserungen mehrere Jahre in Anspruch nehmen würden. Die Tatsache, dass das ausgefallene Kommunikationssystem auf 2G-Technologie der 1990er Jahre basierte, spiegelte die tiefer liegenden Probleme wider. Da die Einführung eines 5G-Netzes erst gegen 2035 geplant war, musste die Bahn weltweit alte Komponenten beschaffen und lagern, um die Reparaturfähigkeit des Systems zu gewährleisten.
Die Bahn wurde unweigerlich zum Fokus der nationalen Kritik und des Humors. Auch die Infrastruktur rund um das Schienennetz galt als fragil. Viele Aufzüge am Berliner Hauptbahnhof funktionierten kürzlich nicht, weshalb Experten aus Finnland hinzugezogen wurden. Die Bahn besaß mit ihrem Netz die größte und meistbefahrene Eisenbahninfrastruktur Europas. Die deutsche Regierung behielt ihre hundertprozentige Beteiligung an der Gesellschaft bei. Politische Kreise reagierten empört auf das Chaos. Oliver Krischer, Verkehrsminister für Nordrhein-Westfalen, bemerkte: „Dass der gesamte Bahnverkehr in Deutschland wegen eines technischen Defekts zum Erliegen kam, stellte einen neuen Tiefpunkt bei den bereits schlechten Betriebstandards dar.”