Deutschland führte seine ersten Durchsuchungen im Rahmen eines neuen Gesetzes durch, welches darauf abzielte, Schlepper und Smuggler zu bekämpfen, die das Land als Stützpunkt für Bootsüberfahrten auf die englische Küste nutzten. Im Zuge einer gemeinsamen Aktion zwischen dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Deutschland ergriff die Polizei im Frühjahr in der Region Nordrhein-Westfalen über 9.000 Schwimmwesten, zahlreiche kleine Boote, Motoren und 360 Pumpen. Diese Ausrüstung wurde an einem geheimen Lagerort gesichert. Nach Angaben der britischen Nationalen Kriminalagentur konnten die Boote über 2.000 Migranten illegal über die See transportiert haben.
Die Gangs nutzten traditionell Garagen oder Lagerhäuser zur Aufbewahrung von Material in Westdeutschland, bevor sie es nach Nordfrankreich transportierten. Berlin hatte jedoch im Dezember ein Gesetz verabschiedet, welches die Erleichterung der Migrantensmuggling-Hilfe zum Vereinigten Königreich zu einer spezifischen Straftat erklärte. Zuvor galt die Gesetzgebung in Deutschland nur für Staaten innerhalb der Europäischen Union, nicht jedoch für Drittstaaten wie das Vereinigte Königreich nach dem Brexit. Diese neuen Regelungen ermöglichten es der deutschen Polizei, nun gezielter gegen die Personen vorzugehen, die bei der Organisation solcher Transporte halfen.
Die Durchsuchungen markierten den ersten Einsatz der Durchsetzungsmaßnahmen unter dem neuen Gesetz, bestätigte das Innenministerium Deutschlands. Die gesicherten Boote, deren Maße etwa neun Meter betrugen, lagen entleert und waren in Kartonkartons verpackt. Die Schwimmwesten, die in den Lagerhallen gefunden wurden, bestanden aus Material, das für die offenen und unvorhersehbaren Gewässer der englischen See völlig unzureichend war. Vieles der Material, welches für kleine Boote verwendet wurde, stammte aus China und wurde oft über die Türkei nach Europa transportiert.
Die britischen Ermittler vermuteten, dass kurdische kriminelle Netzwerke einen besonders starken Einfluss auf das Geschäft mit den kleinen Booten in Westdeutschland ausübten, eine Region, die zu einem Zentrum für Migranten wurde. Lokale Staatsanwälte warnten, dass die geänderte gesetzliche Bestimmung bisher weitgehend ungetestet blieb. Ein Jurist bemerkte, dass die rechtliche Lage im Wesentlichen unverändert blieb, doch er sah eine Veränderung, da die deutschen Strafverfolgungsbehörden nun die Möglichkeit hatten, diese Personen aktiv zu verfolgen.
Insgesamt zeigten die Bemühungen der Behörden Wirkung. Das Vereinigte Königreich berichtete von einem Rückgang der Überfahrten um etwa 43 Prozent im Zeitraum zwischen dem 1. Januar und dem 8. August dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr. Dies wurde auf die Anstrengungen zurückgeführt, die Versorgung der Gangs mit Booten zu stören und die Strafverfolgungsbehörden an den französischen Stränden zu bringen. Die Gesamtzahl der irregulären Einreisen in Europa sank ebenfalls, was die Zusammenarbeit zwischen den Ländern fruchtbar machte.