Der Dissident Dong Guangping floh mit einem einfachen Auslegerboot aus China. Während das Boot auf den wellenreichen Gewässern irrt, überwog die Angst den 68-jährigen Aktivisten, der zwei Tage lang schlaflos war. Er wusste, dass er ein enormes Risiko einging, indem er versucht, die chinesische Staatsgrenze über das Meer zu überqueren, doch er unterschätzte die Schwierigkeiten dieser Reise. Er war stark verbrannt, sein Mobiltelefon verlor die Batterie, und der tragbare Ladegerät war defekt. Er hoffte lediglich, dass der digitale Kompass ihn vor dem Ausfall des Geräts nach Südkorea führte.
Nach vierzig Stunden Abfahrt aus der Provinz Shandong floh Dong am Abend des 27. Mai. Die Küstenwache und Fischer retteten ihn in koreanischen Gewässern. Er wurde kurzzeitig in Südkorea festgehalten, bevor er in Kanada, wo seine Familie lebte, eine neue Heimat fand. Dong erklärte in einem Videoanruf aus Toronto, dass er in China niemals leben könne. Er erklärte, er müsse der chinesischen Kommunistischen Partei zeigen, dass er fähig war, zu fliehen, und dass sie ihn nicht kontrollieren konnten.
Dong, der einst Polizeibeamter und später Menschenrechtsaktivist, hatte bereits mehrfach versucht, China zu verlassen, doch er wurde jedes Mal zurückgeschickt. Er hatte eine feste Überzeugung: Er müsse in die freie Welt gelangen. Er wurde mehrmals in China inhaftiert, beispielsweise wegen seiner Beteiligung an Gedenkveranstaltungen zum Tiananmen-Ereignis. Diese erfolglosen Versuche stärkten seine Entschlossenheit. Er entwickelte einen mutigeren Plan: Er wollte über mehr als dreihundert Kilometer durch das Gelbe Meer segeln und entlang der südkoreanischen Küste nach Japan gelangen.
Im Mai dieses Jahres begann Dong seine Reise in Weihai. Die schlechten Wetterbedingungen zwangen ihn zur Umleitung in Richtung Südkorea, das näher gelegene Ziel. Während der langen Fahrten wurde er schwindelig und erschöpft. Er schlief ein und erwachte erst, als er bemerkte, dass sein Boot an einem großen Frachtschiff vorbeigefahren war. Er befürchtete, er hätte in das Schiff gestürzt, wenn er noch zwanzig Sekunden geschlafen hätte. Um 20:30 Uhr am 25. Mai entdeckte er ein Fischerboot in der Nähe und rief Hilfe. Er wurde schließlich in der koreanischen Region Taean an Land gezogen.
Dong erhielt dort Schutz in einem Flüchtlingszentrum und erhielt später politischen Asyl in Kanada. Er war nicht der erste chinesische Dissident, der so über das Meer nach Südkorea floh. Ein anderes Beispiel war Kwon Pyong, der 2023 mit einem Jetski nach Südkorea floh und später in die Vereinigten Staaten resettelte. Dong erzählte von dem Moment, als er die Bestätigung seiner Flugreise nach Toronto erhielt, und betonte, dass er seine Pflichten gegenüber seiner Mutter nicht erfüllen könne. Er sah dies als sein größtes Bedauern.