DNA aus 2000-jährigen Traubenkeimlingen, die in antiken Brunnen in der Toskana gefunden wurden, ermöglichte Wissenschaftlern die Kartierung der umfassendsten genetischen Geschichte der Rebsorten, die an einer einzigen Stelle wiederentdeckt wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass Weinberge der römischen Epoche Teil des raffinierten landwirtschaftlichen Netzwerks des Reiches waren und möglicherweise die Entwicklung der modernen Weinproduktion beeinflussten. Die Forschung, die von Wissenschaftlern der Universität York geleitet wurde, ergab zudem, dass weiße Trauben an der Fundstelle Chianti dominierten, einer Region der Toskana, die für ihre roten Sangiovese-Weine bekannt war.
Die Entdeckung erfolgte am archäologischen Standort Cetamura del Chianti, einer Hügelanlage, die einst von den Etruskern, dann von den Römern und schließlich von mittelalterlichen Italienern bewohnt wurde. Diese Bewohner warfen Traubenkerne in tiefe Brunnen, wo sie in sauerstofffreiem Schlamm konserviert wurden. Die Forscher sequenzierten die DNA von achtzig Keimlingen und fanden eine bemerkenswerte Kontinuität. Ein Großteil der getesteten Keimlinge gehörte einer einzigen, identischen Sorte, welche direkt von den Etruskern zu den Römern überging und über Jahrhunderte hinweg erhalten blieb.
Durch die genetische Analyse konnten die Wissenschaftler zudem die Farbe der antiken Trauben bestimmen. Die Marker enthüllten, dass dieser dominante, langlebige Klone weiße Beeren produzierte. Diese Prävalenz weißer Trauben überraschte die Forscher. Nancy De Grummond, Professorin an der Florida State University, betonte, dass die Forschung ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Weins in der Rebsorte Chianti hinzufügte. Sie erfuhr, dass der weltberühmte rote Wein von heute tatsächlich von einer weißen Ernte vorausging, die über Jahrhunderte in Etruskischer und römischer Zeit kuratiert und gepflegt worden war.
Nach der römischen Eroberung der Siedlung entstanden neue Rebsorten in Cetamura, was auf Rebsorten hindeutete, die aus anderen Teilen des Reiches eingeführt worden waren. Die genetische Untersuchung zeigte ferner, dass der dominante Cetamura-Klon eng mit zwei alten Traubenkeimlingen verwandt war, die zuvor aus Südfrankreich getestet worden waren. Die Wissenschaftler stellten fest, dass diese Entdeckung biologische Beweise für langreichweitige landwirtschaftliche Netzwerke im gesamten römischen Reich lieferte, welche zur standardisierten Weinproduktion heute beigetragen haben mögen.