Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte, dass der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) die Reaktionsbemühungen überholte. Die Organisation äußerte die Besorgnis, dass die Epidemie die Kapazitäten zur Eindämmung schnell überstieg und die umliegenden Länder in hohem Risiko befanden. Der Generaldirektor der WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte, dass die Operationen dringend verstärkt wurden, jedoch die Epidemie die Organisation momentan überholte. Er forderte die Nachbarstaaten zu sofortigem Handeln auf, um die Verbreitung der Krankheit zu verhindern.
Im Rahmen einer Online-Sitzung der Afrikanischen Union über den Ausbruch gab Tedros bekannt, dass bisher 220 Verdachtsfälle des Ebola-Ausbruchs registriert wurden. Er teilte außerdem mit, dass er am Dienstag mit Chikwe Ihekweazu, dem Direktor des Programm für Gesundheitsnotfälle der WHO, in die DRK reisen würde. Diese Ankündigung erfolgte inmitten von Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen in der Provinz Ituri, dem Zentrum des Ausbruchs, welche die Reaktion erschwerten.
In Mongbwalu, einer der betroffenen Gebiete, versuchten Anwohner am Samstag und Sonntag, das Mongbwalu-Generalspital anzugreifen. Der medizinische Direktor der Einrichtung berichtete, dass achtzehn Ebola-Patienten am Samstag flohen, nachdem unidentifizierte Personen Zelte, die von Médecins Sans Frontières errichtet worden waren, angezündet hatten, in denen die Patienten isoliert wurden. Am Sonntag erlitt das Krankenhaus vier Angriffswellen. Sieben weitere Patienten entkamen, und kongolesische Polizei sowie Soldaten mussten eingreifen, um die Ordnung wiederherzustellen. Ein Patient in kritischem Zustand mit Blutungen starb während des zweiten Angriffs, während er versuchte, aus seinem Bett zu fliehen.
Die Täter der Angriffe suchten die Leichen der Ebola-Opfer für die Bestattung. In einem ähnlichen Vorfall entzündete eine Menschenmenge am Donnerstag ein Behandlungszentrum in Rwampara bei Bunia, nachdem die Behörden weigerten, ihnen die Leiche eines Opfers zur Bestattung zu überlassen. Die Bestattung von Leichen, die hoch ansteckend sein konnten, wurde von den Behörden zur Eindämmung der Krankheit gehandhabt, doch einige Familien bevorzugten traditionelle Bestattungen, welche das Berühren und Waschen des Körpers beinhalteten. Diese Praxis erwies sich in früheren Ausbrüchen als ein wesentlicher Treiber der Krankheitsverbreitung.
Tedros erklärte am Montag, dass die Eindämmung des Ausbruchs durch die Unsicherheit in Ituri und Nord-Kivu sowie durch das Fehlen eines zugelassenen Impfstoffs kompliziert war. Der Ausbruch wurde durch das seltene Bundibugyo-Ebolavirus verursacht, welches weder eine zugelassene Behandlung noch einen Impfstoff besaß. Die Hotspots lagen in den Gebieten Rwampara, Mongbwalu, Nyankunde und Bunia in der Provinz Ituri, einem Handels- und Migrationszentrum sowie einer Goldregion, in der Konflikte zwischen Milizen der Hema- und Lendu-ethnischen Gruppen um Land und Mineralien mehr als 50.000 Menschen seit 1999 getötet hatten. Fälle wurden auch in Butembo und rebelkontrolliertem Goma sowie in Bukavu in der Provinz Süd-Kivu gemeldet.