Ein ehemaliger Präsident Ecuadors erhielt eine fünfjährige Haftstrafe, nachdem er wegen Vorteilsnahme verurteilt worden war. Lenín Moreno, der 73 Jahre alt war, wurde schuldig befunden, da er Bestechungsgelder angenommen hatte, die im Zusammenhang mit einem Vertrag für den Bau eines Wasserkraftwerks in der lateinamerikanischen Nation standen.
Moreno insistierte darauf, dass er keine Gelder von einer chinesischen Firma angenommen hatte, welche den Auftrag für den Bau des Coca Codo Sinclair-Wasserkraftwerks erlangt hatte. Die Staatsanwaltschaft behauptete, dass Sinohydro, ein Unternehmen, das dem chinesischen Staat gehörte, durch Scheinfirmen insgesamt 76,1 Millionen Dollar (etwa 56,2 Millionen Pfund) an Personen zahlte, die an der Vereinbarung beteiligt waren. Zu den Verurteilten gehörten die Frau, die Tochter und der Bruder von Moreno sowie ehemalige Anlagenmanager, Vertreter von Sinohydro und ein chinesischer Botschafter in Ecuador.
Obwohl Moreno selbst angeblich nur wenig von dem Schema erhalten hatte, erhielten die Familienmitglieder Zehntausende von Dollar. Die Verurteilten wegen Bestechung mussten dreimal so viel zurückzahlen, wie ihnen diese Gelder zuteilwurden, während Moreno vom öffentlichen Amt ausgeschlossen wurde.
Moreno bestritt seine Beteiligung an dem angeblichen Bestechungsschema und wies stattdessen auf einen anderen ehemaligen Präsidenten, Rafael Correa, hin, unter dessen Führung er als Vizepräsident gedient hatte. Moreno argumentierte, dass Correa das Coca Codo Sinclair-Projekt genehmigt hatte und dass er nach seiner Präsidentschaft eine Untersuchung der Bauarbeiten eingeleitet hatte.
Die ecuadorianische Regierung leitete 2021 rechtliche Schritte gegen Sinohydro ein, da es Risse in dem Damm und anderen technischen Mängeln gab. Die Regierung erreichte Anfang dieses Jahres eine Einigung über eine Entschädigung in Höhe von 400 Millionen Dollar mit dem Eigentümer der Firma.
Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass Moreno der dritte ehemalige ecuadorianische Staatschef war, der wegen Korruption verurteilt wurde. Moreno kündigte bereits an, gegen das Urteil Berufung einzulegen, nachdem ein Gericht in der Hauptstadt Quito ihn und neunzehn andere für Korruption verurteilt hatte. Die BBC suchte sowohl Sinohydro als auch die Botschaft der Volksrepublik China in Ecuador um Stellungnahmen.