Während Jeffrey Epstein während seiner ersten Haftstrafe für die Verführung einer Minderjährigen eine dreizehnmonatige Freiheitsstrafe erhielt, zeigten Gerichtsakten, dass eine Frau ihn mindestens sechzigsiebzehn Mal besuchte. Diese Frau war Nadia Marcinko. Marcinko war Epstein sieben Jahre lang seine Hauptgeliebte und seine bedeutendste Partnerin nach Ghislaine Maxwell, später auch eine Assistentin seines Privatflugzeugs. Obwohl sie für die Öffentlichkeit relativ unbekannt blieb, könnte sie bald ins Rampenlicht gerückt werden.
Marcinko war eine der vier Frauen, die in einer Verstrickungsvereinbarung aus dem Jahr 2008 als mögliche Mitwisserinnen genannt wurden, welche ihnen Immunität vor der Verfolgung gewährte. Zwei dieser Frauen, Sarah Kellen und Lesley Groff, standen kurz davor, von US-Gesetzgebern befragt zu werden. Eine Kongressfrau forderte die Untersuchung aller vier Personen, einschließlich Adriana Ross und Marcinko, trotz der bestehenden Vereinbarung.
Marcinko wurde nie einer Straftat beschuldigt oder angeklagt. Ihre Rechtsvertreter erklärten, sie sei eine der Opfer Epshtins. Dennoch gaben Mädchen aus Palm Beach, Florida, deren Zeugnisse über ihre Misshandlung bei Minderjährigkeit zur Verurteilung Epshtins im Jahr 2008 führten, an die Polizei an, dass Marcinko an dieser Misshandlung beteiligt gewesen sei.
E-Mails enthüllten, dass Epstein und Marcinko eine gemeinsame Familie gründen wollten. Es wurde Beweismaterial gefunden, das zeigte, dass er sie über viele Jahre hinweg dazu aufforderte, andere Frauen zu rekrutieren, um seine sexuellen Wünsche zu befriedigen, und sie dies erfüllte. Die Korrespondenz legte jedoch auch tiefgreifende dominierende Tendenzen Epshtins offen. Marcinko berichtete den Ermittlern später von körperlicher Gewalt, wobei er sie erstickte und sie eine Treppe hinunterwarf.
Die Debatte um Marcinkos Status als Opfer oder Mitwisserin wirft wichtige Fragen auf. Die Frage ist, ob ein Opfer sexueller Erpressung auch als Komplizin betrachtet werden kann. Die juristische Einschätzung hängt davon ab, ob das Opfer nach dem Entkommen aus der Kontrolle des Täters weiterhin Verbrechen begangen hat und ob es vernünftig ist anzunehmen, dass der Täter noch Macht über das Opfer ausübt.
Die Verstrickungsvereinbarung wird nun hinterfragt. Die Kongressfrau Anna Paulina Luna äußerte sich nach der Sichtung unzensierter Epstein-Dokumente und erklärte, dass alle diese Frauen in der Verbrechen des Vergewaltigens von Minderjährigen als Erwachsenen beteiligt waren und mit Epshtins Operation zusammengearbeitet hätten. Die endgültige Entscheidung, ob Adriana Ross oder Marcinko befragt werden sollte, hing noch ab.