Die Europäische Kommission verhängte eine Geldstrafe von 200 Millionen Euro gegen die chinesische Shopping-Webseite Temu. Die Sanktion erfolgte aufgrund der Nichterfüllung der Pflichten, illegale und gefährliche Produkte auf der Plattform zu unterbinden. Die Untersuchung, die neunzehn Monate dauerte, ergab, dass Verbraucher auf der Webseite sehr wahrscheinlich auf illegale oder unsichere Güter stießen, darunter Babyspielzeug, Elektronik und andere Gegenstände.
Eine unpublizierte Recherche der Kommission zeigte einen hohen Anteil an unsicheren Babyprodukten und eine sehr hohe Rate an gefährlichen Ladegeräten zum Verkauf. Zudem wurden unsichere Kleidung und Schmuckstücke identifiziert, die mit giftigen Metallen wie Blei versehen waren, oder die Brand- und Stromschockgefahr bargen. Die Verbraucherorganisationen hatten zuvor bereits über Babyspielzeug berichtet, das Erstickungsgefahr durch lose Teile darstellte, sowie Schmuckstücke, die mit gefährlichen Metallen beschichtet waren.
Die Kommission kritisierte Temu ferner die unzureichenden Kontrollen bei der Gestaltung ihrer Webseite. Sie bemerkte, dass Empfehlungssysteme und Werbemaßnahmen von Influencern die Verbreitung illegaler Produkte verstärkten. Ein hochrangiger Beamter der EU erklärte, dass die Risikobewertung von Temu für unsichere Produkte im Jahr 2024 einen besonders schwerwiegenden Verstoß gegen das Gesetz darstellte.
Die Geldstrafe stellte nur einen Bruchteil der schnell wachsenden Umsätze von Temu dar. Das Mutterunternehmen, PDD Holdings, meldete 2024 globale Umsätze in Höhe von 54 Milliarden Dollar. Gemäß dem Digital Services Act (DSA) konnte ein Unternehmen bis zu sechs Prozent seines weltweiten Umsatzes bestraft werden.
Die stellvertretende Präsidentin der Kommission für Technologieregulierung, Henna Virkkunen, äußerte sich kritisch: „Temus Risikobewertung unterschätzte konkrete Gefahren, vermiß die Spezifität, stützte sich nicht auf solide Beweise und war nicht umfassend. Sie ließ Regulierungsbehörden, Nutzer und die Öffentlichkeit über den wahren Umfang des Schadens, den illegale Produkte auf Temu verursachten, im Dunkeln.“
Temu, das 130 Millionen Verbraucher in der Europäischen Union besaß, reagierte auf die Entscheidung. Das Unternehmen erklärte, es habe die Entscheidung sorgfältig geprüft und verschiedene Optionen berücksichtigt. Ein Sprecher der Firma betonte, dass Temu die Ziele des Digital Services Acts respektierte, jedoch die Geldstrafe als unverhältnismäßig ansah. Temu versprach, ein Aktionsplan bis zum 28. August bei der Kommission einzureichen, um die Situation zu beheben.