Die sinkenden Hauspreise in Australien boten den Kreditnehmern eine erhebliche Erleichterung. Diese Entwicklung stellte den positiven Aspekt dar, der nicht in den Schlagzeilen erschien: Ein Rückgang der Immobilienwerte reduzierte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Zentralbank. Die Entscheidungen der geldpolitischen Behörde wurden dadurch weniger dringlich.
Die Mitglieder des Rates der Reserve Bank of Australia (RBA) trafen sich nicht, um Wege zu erörtern, die Sydney-Immobilienwerte zu stützen. Dennoch machte die Gouverneurin Michele Bullock deutlich, dass die Immobilienmärkte ihre Aufmerksamkeit erhielten. Bullock erklärte, dass die Zentralbank stets erwartete, dass die wirtschaftlichen Bedingungen als „entspannen“ würden, um auf die Zinserhöhungen der Monate Februar, März und Mai zu reagieren. Sie betonte jedoch, dass der Wohnungsmarkt im Mai stärker entspannt war, als erwartet.
Diese Entspannung reflektierte eine Reihe von Faktoren, darunter jüngste politische Entwicklungen, insbesondere Änderungen bei den Steuern auf Immobilien. Ein leitender Wirtschaftsexperte der RBA gab an, dass der Rat den Wohnungsmarkt „in gewissem Maße herunterspielen“ wollte, ihn jedoch weiterhin als Begründung nutzen würde, um eine längere Zeitspanne zu halten. Bullock betonte zudem, dass die Wirtschaft weiter verlangsamt werden müsse, um die Inflation auf das Ziel der Zentralbank von 2,5 Prozent innerhalb der nächsten zwölf bis achtzehn Monate zu bringen.
Für die Kreditnehmer boten die fallenden Preise jedoch einen direkten Vorteil. Obwohl es keine mechanische geldpolitische Reaktion auf sinkende Immobilienpreise gab, achteten die Zentralbankbeamten auf die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Diese Effekte manifestierten sich in zwei Formen: dem Vermögens-Effekt und dem Umwälzungs-Effekt. Der Vermögens-Effekt besagte, dass steigende Preise die Menschen wohlhabender machten und sie eher bereit waren, auszugeben. Der Umwälzungs-Effekt hingegen zeigte, dass bei einem überhitzten Immobilienmarkt mehr Eigentümerwechsel stattfanden, was die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, wie beispielsweise Haushaltsgeräten, beeinflusste.
Obwohl die Unterscheidung dieser Effekte schwierig war, zeigte die Richtung der Entwicklung in beiden Fällen die gleiche Tendenz. Sinkende Immobilienwerte wirkten sich auch auf den Wohnungsbau aus, wenngleich einige Ökonomen argumentierten, dass dieser Effekt durch die nationale Anstrengung zur Steigerung des Wohnungsangebots abgeschwächt worden war. Dennoch sahen Experten die Schwäche des Immobilienmarktes als Bestätigung dafür, dass die Geldpolitik „straff“ blieb, mit einem Leitzins von 4,35 Prozent. Trotz dieser Beobachtungen glaubten einige Experten, dass die Zentralbank erneut Zinserhöhungen vornehmen müsse, um die Inflationsziele zu erreichen.