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Kultur

Filmproduzenten verweigerten Zusammenarbeit mit Bolloré

Kritik gegen den Einfluss des konservativen Industriellen Vincent Bolloré

Der Chefproduzent von Canal+ verkündete, dass die Plattform nicht länger mit Hunderten von Filmvertretern zusammenarbeiten würde, die eine Petition gegen den wachsenden Einfluss des rechtskonservativen Milliardärs Vincent Bolloré unterzeichnet hatten. Die offene Erklärung, die zeitgleich mit der Eröffnung des Filmfestivals in Cannes veröffentlicht wurde, fasste die Besorgnis über die Kontrolle des französischen Kinos zusammen. Mehr als sechshundert Persönlichkeiten, darunter Schauspieler und Regisseure wie Juliette Binoche und Raymond Depardon, unterschrieben die Erklärung. Sie befürchteten, dass die Übergabe des französischen Kinos in die Hände eines rechtsgerichteten Eigentümers die Standardisierung der Filme sowie eine faschistische Übernahme der kollektiven Vorstellungskraft riskiere.

Bolloré besaß ein mächtiges Medienimperium, welches Canal+ und seine eigene Produktionsgesellschaft StudioCanal umfasste. StudioCanal galt als führende Produktions- und Vertriebsgruppe in Europa. Die jüngsten Werke von StudioCanal umfassten Biopics wie Back to Black und Paddington in Peru. Bolloré besaß zudem die Sender CNews, die Radiostation Europe 1 und die Zeitung Le Journal du Dimanche.

Maxime Saada, der Vorstandsvorsitzende von Canal+, bezeichnete die Petition als eine Ungerechtigkeit gegenüber den Canal+-Teams, welche die Unabhängigkeit der Plattform und die volle Bandbreite ihrer Entscheidungen verteidigten. Er erklärte, er würde nicht länger mit den Personen zusammenarbeiten, die die Petition unterzeichneten. Die Filmbranche befürchtete, dass Bolloré die gesamte Produktionskette von den Finanzierungen über den Vertrieb bis zur Veröffentlichung auf großen und kleinen Bildschirmen kontrollierte.

Die Unterzeichner befürchteten, dass Bolloré hinter seinem Geschäftsanzug ein reactionaryes, rechtsgerichtetes Projekt für die Gesellschaft durch seine Fernsehsender und Verlage förderte. Sie befürchteten, dass dieser ideologische Angriff auf den Inhalt der Filme nicht nur diskret, sondern unaufhaltsam werden würde. Diese Besorgnis spiegelte sich in ähnlichen Umwälzungen in der Verlagebranche wider, als über hundert Autoren im letzten Monat protestierten und die Verlage Grasset verließen.

Bolloré wies seine Kritik zurück. In einer Anhörung im Jahr 2022 lehnte er politische oder ideologische Interventionismus ab und erklärte, sein Interesse an Medien nur finanzieller Natur zu sein. Er behauptete, sein kulturelles Imperium diene der Förderung der französischen Soft Power. Er erklärte zudem, dass diejenigen, die die Verlage verließen, eine kleine Gruppe seien, die sich über alle anderen gestellt sah. Er betonte, dass er sich als christdemokratischer Politiker sah und seine politischen Ansichten nicht mit seiner kulturellen Arbeit verknüpfte.

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