Die Proteste begannen zunächst mit der Symbolik der rosa Zugvögel. Als Tausende auf den Straßen unter dem Büro des albanischen Premierministers Edi Rama versammelten, wechselten die Forderungen schnell den Fokus. Die Demonstranten riefen nicht nur auf die Rücktritt des Premierministers, sondern forderten auch Antworten zu Schulen, Arbeitsplätzen und den Lebensstandards. Die rosa Zugvögel, die zum Symbol der nächtlichen Versammlungen wurden, verzeichneten nun eine breitere gesellschaftliche Mobilisierung gegen die aktuelle Regierungspolitik.
Ein zentraler Konflikt entfaltete sich um die Entwicklung des Landes. Eine Gruppe internationaler Investoren, darunter der Schwiegersohn des US-Präsidenten Jared Kushner, strebte die Errichtung eines Luxusresorts in der Nähe an. Die Regierung gewährte diesen Investoren den Status eines „Sonderinvestors“. Obwohl noch keine Planungsgenehmigung vorlag und eine Umweltverträglichkeitsprüfung noch nicht begonnen hatte, wurden bereits Bauzäune und Bulldozer auf dem Gelände gesichtet. Lokale Proteste gegen die möglichen Umwelteinwirkungen hatten vor einem Monat nationale Aufmerksamkeit erlangt, als ein Video von Sicherheitskräften, die einen Demonstranten attackierten, in den sozialen Medien verbreitet wurde. Der Premierminister bestätigte diesen Vorfall.
Diese Entwicklungen führten zu tiefgreifenden Bedenken hinsichtlich der Regierungsführung und der nationalen Entwicklung. Der Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist Fatos Lubonja behauptete, die aktuelle Regierung sei von „Oligarchen, organisierten Kriminalität, den Medien und korrupten internationalen Akteuren“ gestützt worden. Er argumentierte, der Bauboom sei lediglich Geldwäsche. Lubonja forderte eine Untersuchung der Justiz, um die Verflechtungen zwischen Bauprojekten und Korruption aufzudecken.
Rama bezeichnete die Proteste als Zeichen einer gesunden, demokratischen Gesellschaft. Er versicherte, dass er eine Justiz anstrebte, die unparteiisch sei und weder links noch rechts aussehe. Er betonte, dass die Sozialistische Partei ihren Beitrag nicht nur durch Reformen, sondern durch die „Übernahme der Verantwortung“ für das Land leiste. Dennoch erlebte die politische Führung interne Spannungen. Mehrere nahestehende politische Verbündete wurden von den Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaften (SPAK) untersucht, darunter der ehemalige Stellvertreter und der Bürgermeister von Tirana.
Die Legitimität des Premierministers geriet unter Druck. Majana Koceku, die jüngste Mitglied des Parlaments, entschied sich gegen die Zusammenarbeit mit der Sozialistischen Partei. Sie erklärte, dass ihre Jugend sie daran hinderte, „einfach zu stehen und die Regierung zu applaudieren“. Sie sah in Rama einen wesentlichen Teil des Problems. Sie stellte fest, dass die Realität hinter den glänzenden Fassaden nicht dieselbe sei und dass die Menschen dies täglich mehr erkannten. Der Standpunkt blieb fest: Die Demonstranten verließen die Straße nicht, und Rama zog sich nicht zurück. Die Flamingos blieben somit ein vertrautes Bild auf den Straßen Tiranas.