Frankreich suchte neue Wege, um seine Beziehungen zu Afrika neu zu definieren. Durch die gemeinsame Organisation eines Gipfels afrikanischer Führungspersönlichkeiten in Kenia, einem englischsprachigen Land, signalisierte Paris eine grundlegende Verschiebung in der Haltung gegenüber seinen ehemaligen Kolonien. Dies geschah angesichts wachsender anti-französischer Stimmung und der abnehmenden Macht in Westafrika.
Präsident Emmanuel Macron verkündete auf dem Africa Forward Summit in Nairobi Investitionen in Höhe von 27 Milliarden Dollar in den afrikanischen Raum. Diese Mittel sollten in Schlüsselbereichen wie der Energiewende, der digitalen und künstlichen Intelligenz, der maritimen Wirtschaft und der Landwirtschaft eingesetzt werden. Macron betonte, dass der Kontinent Investitionen benötigte, um sich unabhängiger zu machen und damit etwa 250.000 Arbeitsplätze in Afrika und Frankreich schaffen würde.
Der französische Präsident erklärte, dass Frankreich nicht nur als Investor fungiere, sondern die afrikanischen Wirtschaftsführer selbst nach Frankreich rufen sollten, um dort zu investieren. Dies markierte einen Paradigmenwechsel in der französischen Sichtweise auf die Beziehungen zum Kontinent. Viele Jahre nach der Unabhängigkeit in den 1960er Jahren pflegte Frankreich enge wirtschaftliche, politische und sicherheitspolitische Verbindungen zu seinen ehemaligen Kolonien, was weitreichende Vorwürfe zur mangelnden Veränderung nach sich zog.
Die diplomatische Bedeutung des Gipfels in Kenia wurde von afrikanischen Seiten als wichtiger Schritt zur Entkolonialisierung wahrgenommen. Der kenianische Außenminister Musalia Mudavadi sah darin eine Chance für Afrika, „als eine Einheit zu sprechen“. Er betonte, dass die Wahl eines nicht-französischsprachigen Landes für den Gipfel eine wichtige Botschaft sei, um sprachliche Barrieren aufzubrechen, die durch die Klassifizierung von Ländern als anglophon, frankophon oder lusophon entstanden waren.
Die Dynamik der Beziehungen änderte sich auch im militärischen Bereich. Nach Machtübernahmen in Ländern wie Burkina Faso, Mali und Niger verließen die Militärführer französische Truppen, die im Kampf gegen den Islamismus eingesetzt worden waren, und wandten sich stattdessen an Russland. Macron rechtfertigte den signifikanten Rückzug der französischen Truppen, indem er erklärte, dass dieser Schritt eine logische Reaktion auf die sich ändernde Lage sei. Er versicherte, dass die Führungspersönlichkeiten der betroffenen Staaten ihren eigenen Weg bestimmen sollten.
Frankreich versuchte, seine Relevanz auf dem Kontinent zu demonstrieren, während andere Mächte wie China, Russland und die Türkei Einfluss gewannen. Macron betonte, dass Afrika Investitionen benötige, um souveräner zu werden und dass der Kontinent nicht länger als „privates Reservat“ betrachtet werden dürfe, in dem Geschäftsleute unbeschränkte Rechte genossen. Die französische Präsenz wurde zunehmend durch wirtschaftliche Initiativen, kulturelle Präsenz und die Nutzung etablierter kommerzieller Marken gestützt, anstatt primär auf militärische Macht zu setzen.