Frankreich ergriff am Sonntag einen sanktionierten russischen Öltanker im Atlantik mit Unterstützung von Verbündeten, darunter das Vereinigte Königreich, wie Präsident Emmanuel Macron erklärte. Die französische Marine boardete den Tagor, den maritimen Behörden zufolge eine Flagge falscher Identität trug, als er etwa 400 Seemeilen westlich von Bretagne in internationalen Gewässern unterwegs war. Macron äußerte sich scharf und erklärte, es sei inakzeptabel, dass Schiffe internationale Sanktionen umgingen, das Seerecht verletzten und die Kriegsführung Russlands gegen die Ukraine finanzierten.
Das Kreml bezeichnete die „illegale“ Beschlagnahmung als „grenzwertig zur internationalen Piraterie“, so der Sprecher Dmitri Peskov. Moskau betrieb eine sogenannte „Schattenflotte“ von Tankern mit verschleierten Eigentümerstrukturen, um den internationalen Sanktionen, die seit der umfassenden Invasion Russlands im Jahr 2022 verhängt wurden, zu entgehen. Dieser Tanker stellte das vierte Schiff dar, das Frankreich seit September 2025 boardete.
Macron betonte, dass die Operation in strikter Übereinstimmung mit dem Seerecht durchgeführt worden sei. Er mahnte darauf hin, dass diese Schiffe, welche die grundlegendsten Regeln der maritimen Navigation missachteten, zudem eine Gefahr für die Umwelt und die Sicherheit aller darstellten. Die französischen Behörden hatten zuvor es den Schiffen erlaubt, nach Zahlung von Geldstrafen weiterzuoperieren, doch sie versprachen nun, diese Schiffe zu blockieren.
Das Vereinigte Königreich hatte bereits im März angekündigt, dass es der britischen Armee die Erlaubnis erteilte, sanktionierte russische Schiffe zu boarden. Dennoch betrat das Vereinigte Königreich seit dem 11. Mai fast 200 russische Schiffe in seine Gewässer, nachdem der Premierminister eine Interzeption Mitte März androht hatte. Das Verteidigungsministerium des Vereinigten Königreichs erklärte zu diesem Zeitpunkt, dass es die Schattenflotte „störte und abschreckte“, ohne spezifische Details zu nennen.