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Kultur

Gabriele Stötzer: Die Kunst der Freiheit im geteilten Deutschland

Ausstellung würdigte eine radikale Künstlerin des Ostdeutschlands und ihre Widerstandsarbeit

Gabriele Stötzer, eine der radikalsten Künstlerinnen der kommunistischen DDR, präsentierte ihre Werke in einer bedeutenden Ausstellung. Die Schau, betitelt „Dabei Sein und nicht schweigen“, zeigte die tiefgreifende Suche nach Freiheit inmitten der repressiven Bedingungen des Ostblocks. Stötzer erinnerte sich an die Zeit, in der sie zwischen existenziellen Entscheidungen stand, wie sie beispielsweise zwischen dem Kauf einer Wurst und der Aufnahme einer Filmaufnahme für ihre Super-8-Kamera wählen musste.

Ihre künstlerische Entwicklung entsprang dem Trotz gegen die materiellen Verhältnisse und die erdrückenden Beschränkungen des SED-Regimes. Stötzer betonte, dass sie zwar finanziell angeschlagen war, aber von der Freiheit total fasziniert sei. Sie lebte in einer Zeit, in der die Welt durch die Berliner Mauer bereits abgetrennt war, und fand in ihrer Inhaftierung eine neue Form der Begrenzung. In der berüchtigten Frauenhaft Hoheneck in Sachsen während der späten siebziger Jahre begann ihre künstlerische Bahn zu entstehen.

In dieser Zeit beschrieb Stötzer ihre Erfahrung: „In einem Land, das bereits von der Welt abgeschnitten war, fand ich mich hinter weiteren Mauern wieder.“ Sie erwähnte, dass ihre Gefängniszelle zwanzig Frauen beherbergte und sie während des Tages in Schichtarbeit arbeitete. Die Kunst fand in ihrem Traum von einem anderen Leben ihren Ausdruck. Stötzer engagierte sich jahrelang als Zeugin und Geschichtenerzählerin in Hoheneck, einem heutigen Gedenkstättenmuseum für politische Gefangene. Sie lehnte es ab, als bloße „DDR-Künstlerin“ bezeichnet zu werden, sondern bevorzugte die Bezeichnung „Ostdeutsche“.

Die Ausstellung zielte darauf ab, Stötzer als historische Persönlichkeit und nicht nur als DDR-Künstlerin zu würdigen. Julia Grosse, die die Ausstellung kuratierte, erklärte, dass Stötzer als Zeugin der Geschichte gefeiert wurde, aber nie als eigenständige Künstlerin anerkannt worden war. Die Schau sollte diese Sichtweise korrigieren. Die Kuratoren besuchten Stötzer in ihrer Wohnung in Erfurt, wo die Küche zum Atelier wurde und ihre Werke in jeder Ecke aufbewahrt wurden.

Im Gegensatz zu anderen Künstlern und Intellektuellen der DDR lehnte Stötzer die Veräußerung ihres Landes durch die westdeutsche Regierung ab. Sie sah darin eine Möglichkeit, das antikapitalistische Regime durch ihre Proteste zu bereichern. Stattdessen nutzte sie die DDR als experimentellen Raum für künstlerische Verbundenheit, feministischen Kampf und Solidarität. Unter ständiger Überwachung durch die Stasi gründete sie eine Künstlerkollektive und suchte den Widerstand.

In ihrer tiefsten Verzweiflung nutzte Stötzer alles, was sie erlebte – Träume, Traumata, Erhebung und Demütigung – um sich selbst zu erkennen und ihre eigene Substanz zu bewahren. Sie wählte bewusst die Super-8-Filmfilmaufnahme statt Wurst, um die Individualität einzufangen, die der Staat unterdrücken wollte. Die Ausstellungen enthielten gewebte Teppiche, Zeichnungen und Skulpturen aus Schrott, welche ihr ein wichtiges Mittel zur Präsentation ihrer Werke boten, da sie von der offiziellen Künstlervereinigung ausgeschlossen war.

Die Ausstellung fand großen Anklang bei Ostdeutschen, da sie die Anerkennung durch den offiziellen deutschen Diskurs darstellte. Sie signalisierte, dass die Kunst und Kultur Ostdeutschlands nicht nur eine Nische in einem verschwundenen Land darstellten, sondern Teil des kollektiven Gedächtnisses und der Gegenwart Deutschlands.

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