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Wissenschaft

Genetische Wahrheit: Wie Paare die Grenzen der Anonymität in Frankreich ergriffen

Nach jahrelangen juristischen Kämpfen entdeckten sie familiäre Verbindungen durch DNA-Tests.

Jahrelang suchte Arthur Kermalvezen, der durch Spenderverfremdung entstanden war, mögliche Väter in seiner Umgebung. Er empfand Wut über die Unmöglichkeit, ein Leben zu führen, das dieser Situation entsprach. Als er als Erwachsener Audrey, eine weitere durch Spenderverfremdung entstandene Person aus Paris, liebte, wurde die Frage nach ihrer genetischen Verwandtschaft dringlicher. Die Begegnung bei einem Treffen von Spenderkonzept-Aktivisten im Jahr 2010 entsprach Audrey der Vorstellung von ‘Liebe im ersten Moment’, doch die Verbindung stellte sich als romantische oder genetische Anziehung heraus.

Die Situation in Frankreich erschwerte die Klärung der Verwandtschaft. Da nur wenige Spermienbanken existierten und viele Männer mehrere Spenden geleistet hatten, bestand die reale Möglichkeit von Halbgeschwisternschaft. Dennoch machten Gesetze bezüglich genetischer Tests und Spenderanonymität die Suche nach der Wahrheit extrem schwierig. Nur Forscher, Ärzte oder Richter durften genetische Tests anordnen und überwachen. Zudem bestraften die Gesetze das Halten von Heimtestkits mit hohen Geldstrafen. Dies verhinderte die Verfügbarkeit von Tests durch kommerzielle Anbieter wie 23andMe in Frankreich.

Audrey, die bereits als Juristin im Bereich der Bioethik qualifiziert war, verstand die Garantie der Spenderanonymität durch das französische Recht. Sie war jedoch 1979 konzipiert, lange bevor diese Gesetze existierten. Während Audrey nach anderen durch Spenderverfremdung entstandenen Personen suchte, traf sie auf Arthur, der ein Buch über seinen Wunsch nach der Aufklärung seiner biologischen Herkunft verfasste. Beide empfanden in der Beschreibung der Gefühle des anderen eine präzise Ausdrucksweise, die sie selbst kaum artikulieren konnten. Die Chemie zwischen ihnen war unmittelbar, doch die Frage ihrer Väter blieb ungelöst.

Nach monatelanger Suche fand das Paar einen Arzt in Südfrankreich, der für eine Gebühr einen genetischen Test durchführte. Dieser ergab, dass sie keine Verwandten seien. Dennoch blieb ihre Unruhe, da der Arzt das Ergebnis gegen das Gesetz verriet. Audrey, als Juristin, leistete sich die Einhaltung der Gesetze. Sie startete daher ab 2010 eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten gegen das französische System, um Zugang zu nicht-identifizierenden Informationen über die Spender zu erhalten.

Nach drei Jahren juristischer Bemühungen leisteten das Paar einen Entschluss und heirateten. Kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes untersuchte ein Arzt, welche Informationen über ihre Spender existierten. Der Arzt stellte fest, dass die Spender unterschiedliche Geburtsjahre hatten und somit nicht dieselbe Person sein konnten. Diese lebensverändernde Information erlangten sie nur, weil ein Arzt die Regeln brach. Arthur und Audrey nahmen nach jahrelangem Widerstand schließlich einen Heim-DNA-Test vor. Die Ergebnisse bestätigten, dass sie keine Verwandten seien.

Die DNA-Ergebnisse öffneten weitere Türen. Arthur kontaktierte schließlich seinen Spermienspender im Jahr 2017. Audrey erlebte jedoch den größten Schock: Unter ihren DNA-Übereinstimmungen fand sie eine Frau namens Sophie, die sie in einem Rechtsstreit vertreten hatte. Die beiden Frauen kämpften für ähnliche rechtliche Rechte. Audrey entdeckte, dass Sophie, deren Fall sie vor Gericht vertreten hatte, ihre biologische Schwester war. Bei den zehn Teilnehmern des DNA-Tests stellten vier den gleichen Spender dar, was die reale Gefahr eines gemeinsamen Spenders unterstrich.

Die Entdeckung lieferte Audrey Antworten, die sie jahrzehntelang gesucht hatte. Ihre juristischen Bemühungen und Arthurs Buch trugen zur Änderung der Gesetze zur Spenderverfremdung in Frankreich bei, sodass Personen, die nach April 2025 konzipiert wurden, Zugang zu identifizierenden Informationen über ihre Spender erhielten, sobald sie erwachsen waren. Dennoch blieb Frankreich eines der wenigen Länder Europas, in dem Heim-DNA-Tests noch verboten waren. Audrey betonte, dass jede Person das Recht auf die Kenntnis ihrer Herkunft und ihrer Geschichte besitze.

GenetikRechtFrankreichSpenderverfremdung

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