Die australische Gesundheitsaufsichtsbehörde Ahpra wählte eine umstrittene Definition des Antisemitismus zur Lenkung ihrer Regulierungsarbeit. Diese Entscheidung stieß auf Kritik von Organisationen, die befürchteten, dass sie die Möglichkeit für Gesundheitsfachleute, Kritik am Menschenrechtsverlauf Israels zu üben, zum Schweigen bringen könnte. Die Maßnahme wurde vom Spitzenverband der jüdischen Gemeinschaft begrüßt, während die Australia Palestine Advocacy Network (Apan) warnte, dass dies Fachleute von der Kritik an den Handlungen Israels im Gazastreifen ausschließen könnte.
In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Sonderbeauftragten der Bundesregierung zur Bekämpfung des Antisemitismus, Jillian Segal, verkündete die Ahpra am Mittwoch, dass sie die Arbeitsdefinition des Internationalen Holocaust-Gedenkallianzes (IHRA) zum Antisemitismus für ihre „Regulierungsarbeit“ übernommen hatte. Die IHRA-Definition definierte Antisemitismus als „eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die als Hass gegen Juden geäußert werden kann“. Diese Definition wurde von Gegnern als problematisch angesehen, da sie die Gefahr barg, Antisemitismus mit legitimer Kritik an Israel zu vermischen.
Die Definition erhielt die Unterstützung der Bundesregierung sowie der antisemitismusbezogenen königlichen Kommission, die nach dem Terroranschlag in Bondi im Dezember eingerichtet worden war. Justin Untersteiner, der Vorstandsvorsitzende der Ahpra, betonte, dass Antisemitismus Leben koste und „keinen Platz in der Gesundheitsversorgung“ besitze. Er erklärte, dass die Ahpra die Definition als Referenzwerkzeug übernahm, um ein konsistentes Verständnis von Antisemitismus in seiner Regulierungsarbeit zu gewährleisten und den Schutz der Patienten zu stärken.
Apan äußerte sich am Donnerstag besorgt über die Konsequenzen für medizinisches Personal. Sie wiesen darauf hin, dass Gesundheitsfachleute seit Oktober 2023 die Angst vor beruflichen Konsequenzen bei öffentlicher Äußerung über Gaza und Palästina berichteten. Die Organisation hob hervor, dass palästinensische Gesundheitsfachleute die Zerstörung des Gesundheitssystems in Gaza und die wachsenden Feindseligkeiten gegenüber Verfechtern palästinensischer Menschenrechte beobachteten.
Die Debatte um die Verwendung der Definition zeigte die Spannungen auf. Während die jüdische Gemeinschaft die Maßnahme als praktikables Instrument zur Bekämpfung des Antisemitismus sah, argumentierten Kritiker, dass die Definition die politische Meinungsäußerung über Israels Handlungen in Gaza und Libanon unterdrücken konnte. Die Berichte über antisemitische, anti-palästinensische und islamfeindliche Vorfälle stiegen seit den Anschlägen von Hamas am 7. Oktober 2023 an. Eine unabhängige Kommission der Vereinten Nationen stellte das Kriegshandeln Israels in Gaza als Völkermord fest, was Israel jedoch kategorisch zurückwies.