Für Kieran Dodds, der selbst als „stolzes Ginger“ galt, wurde die Fotografie von Menschen mit rotem Haar über ein Jahrzehnt hinweg zu einer Obsession. Er begann 2013, in seiner Heimat Schottland Fotos zu machen, um die schottische Identität zu untersuchen. Sein Interesse an dieser Erscheinung führte ihn zu anderen Hotspots, wie der russischen Stadt Perm und dem Strand von Treasure Beach in Jamaika.
Sein Buch „Gingers“ spannte die Welt, doch nach der Veröffentlichung bemerkte er eine erhebliche Lücke. Er erkannte, dass er keine amerikanischen Bürger besaß, und dann nahmen diese Menschen Kontakt auf. Ein Bericht eines amerikanischen Ureinwohner mit rotem Haar weckte seine Neugier und ließ ihn überlegen: Woher kam diese Eigenschaft? Das Cover seines jüngsten Buches, „Gingers of America“, zeigte Joshua Elliot aus der Muscogee (Creek) Nation in Oklahoma.
Joshua erklärte, dass die Erwartungen an einen Ureinwohner nicht auf die physische Erscheinung abzielten, sondern auf die Beteiligung an der Gemeinschaft und die Verbundenheit mit der eigenen Stammeskultur. Diese kulturelle Verankerung erklärte die Herkunft des Haares. Dodds fand es überraschend, wie früh Skotten und Irten mit amerikanischen Ureinwohnern verheiratet waren. Eine Comanche-Mädchen namens Lottie Wahkinney besaß schottische Großeltern, was die Vermischung der Abstammungslinien verdeutlichte.
Eine Ausnahme bildete die Cherokee-Mädchen Lakia, deren Familie keine europäische Abstammung kannte. Ihre Haare waren tieftürkisrot, eine völlig andere Farbe. In seinem Buch berichtete Lakia, dass ihre Haare während ihrer Kindheit rot wurden, obwohl ihre Familie jetz jetzschwarzhaarig war. Diese Beobachtung veranlasste Dodds, die Vereinigten Staaten genauer zu erkunden, insbesondere Alabama, eine Region, die für Rassentrennung und den Kampf für Bürgerrechte bekannt war.
In Alabama traf er viele schwarze Amerikaner, die oft mit weißen Partnern verheiratet waren. Er sah, wie die Gesellschaft mit der Idee der Segregation kämpfte, doch auch wie Menschen die Möglichkeit erkannten, Beziehungen zu führen. Dodds betonte, dass die Vielfalt der amerikanischen Erfahrung in dieser Region tief verwurzelt war. Er sah in der amerikanischen Gesellschaft eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft.
Dodds argumentierte, dass das Ginger-Haar als „goldener Faden“ fungierte, der die vielfältige und komplexe Geschichte Amerikas miteinander verwob. Er schloss, dass alle Menschen aus demselben Material bestanden und das rote Haar diese gemeinsame Verbindung sichtbar machte. Seine Forschung zeigte, dass die genetische Prävalenz von Rothaar in den Vereinigten Staaten höher lag als in vielen anderen Regionen der Welt.