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Wissenschaft

Große Gleiter entpuppten sich nicht als Meister des Gleitens

Australische Forscher widerlegten Annahmen über die Flugdistanz der gefährdeten Marsupialen

Australische Forscher stellten fest, dass große Gleiter nicht so gut im Gleiten waren, wie bisher angenommen. Die erste Untersuchung zur Messung der Luftfähigkeit Australiens größter Gleiter-Marsupialen ergab, dass diese nur durchschnittlich 19 Meter zurücklegten. Dies stand im Gegensatz zu den 100 Metern, die in einer fünfundachtzigjährigen Studie vorhergesagt worden waren.

Die Wissenschaftler verfolgten in den Wäldern New South Wales mittels Infrarot-Binokeln, Lasergeräten und Maßbändern vierundvierzig Flugversuche. Sie erfassten Daten wie Start- und Landehöhen, horizontale Distanzen und Gleitwinkel, welche sie in der Fachzeitschrift Australian Mammalogy veröffentlichten. Die Ergebnisse stellten die Annahmen über die Reichweite dieser gefährdeten Tiere in Frage.

Die leitende Autorin, Dr. Ana Gracanin, Biologin an der Australian National University, erklärte, dass der Begriff „groß“ sich auf die Körpergröße bezog und nicht auf die zurückgelegte Distanz. Die längste Flugstrecke, welche die Studie erfasste, betrug kaum fünfzig Meter. Dennoch betonte sie, dass das Beobachten eines großen Gleiters in Aktion immer noch beeindruckend war.

Die Tiere stiegen in der Regel etwa zwanzig zwei Meter über den Boden ab, bevor sie auf dem Stamm eines anderen Baumes etwa fünf Meter landeten. Gracanin beschrieb den Flug als eine Transformation: Das Tier begann als eine zusammengekrümmte Masse aus Flaum an der Baumspitze, spreizte dann die Gliedmaßen aus und flog über den Kopf wie ein magischer Flugteppich oder ein seltsames Phänomen am Himmel.

Um in der Luft zu bleiben, nutzten die Gleiter eine Membran, welche von ihren Ellbogen bis zu ihren Knöcheln reichte. Sie stiegen auf einen Baum, starteten, spreizten die Ellbogen und versteckten die Pfoten unter die Kinnpartie, um durch die Luft zu gleiten. Obwohl höhere Bäume theoretisch längere Gleitstrecken erlaubten, stellte sich die Frage, ob die Tiere regelmäßig Distanzen von hundert Metern erreichen konnten. Die Autoren vermuteten, dass diese Angabe möglicherweise auf einen gelbblinden Gleiter bezog.

Die Erkenntnisse waren für den Naturschutz von großer Bedeutung, da große Gleiter gefährdet sind und ihr Überleben von der Baumdecke zur Nahrungssuche auf Eukalyptusblätter abhingen. Lücken, die durch Abholzung oder Infrastrukturentwicklung entstanden, konnten diese Bewegung behindern. Ein Experte für die Lebensräume der großen Gleiter am University of Melbourne, Dr. Benjamin Wagner, bemerkte, dass Störungen ihres Lebensraumes oder der Verlust von Lebensraum möglicherweise gravierender waren, als angenommen.

Wagner argumentierte, dass in fragmentierten oder weniger dichten Wäldern mehr Lücken zu überwinden waren. Er betonte, dass die Distanz zwischen dem Aussichtsbalken und dem Zielbaum enger sein musste, als zuvor gedacht. In einem zusammenhängenden Wald stellte dies kein Problem dar, doch es wurde für die Tiere zu einem ernsten Hindernis, wenn Lücken durch Straßen oder Flächen, die durch frühere Brände oder Holzeinschlag entstanden, existierten.

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