Die Wähler in Guinea-Bissau genehmigten ein neues Verfassungsdokument, welches die Befugnisse des Präsidenten erheblich ausweitete. Dieses Referendum fand vor den allgemeinen Wahlen im Laufe des Jahres statt. Die Abstimmung wurde von der Militärregierung organisiert, welche die Macht im westafrikanischen Staat im November nach einer umstrittenen Wahl erlangt hatte.
Die Wähler stimmten für tiefgreifende Reformen, welche dem Präsidenten weitreichende Befugnisse einräumten. Der Präsident erhielt die Möglichkeit, Premierminister und Kabinett zu ernennen und abzusetzen, Ministerien zu gründen oder aufzulösen sowie den Parlament in Fällen einer schweren politischen Krise aufzulösen. Diese Änderungen veränderten das Machtgleichgewicht im semipräsidentiellen System Guinea-Bissau.
Die Hauptoppositionspartei boykottierte die Abstimmung. Sie argumentierte, dass der Prozess keine ausreichenden politischen und institutionellen Schutzmechanismen besaß und die Übergabe zur Demokratie gefährdete. Die Opposition befürchtete eine zu starke Konzentration der Macht in der Exekutive.
Die Militärautoritäten argumentierten, dass die Anpassungen notwendig seien, um wiederholte Streitigkeiten zwischen Präsidenten und Premierministern zu beenden. Die neue Verfassung reduzierte zudem die Sitzzahl des Parlaments von hundertzwei auf sechzigfünf und kürzte die Anzahl der Wahlkreise von neunundzwanzig auf zwölf. Zudem wurden neue Zulassungsanforderungen für Kandidaten eingeführt, darunter die Bedingung, dass sie fünf Jahre ununterbrochen in Guinea-Bissau gelebt hatten.
Die Wahlen im Dezember stellten nun einen wichtigen Test dar. Sie sollten zeigen, ob die Militärautoritäten ihre Zusage zur Wiederherstellung der zivilen Herrschaft einhielten und wie die erweiterten Befugnisse des Präsidenten das fragile politische System Guinea-Bissau umgestalteten.