FaktenBlitz
RSS
Zurück zur Übersicht
Wirtschaft

Gehaltsfrage und Kinderbetreuung: Experten warnen vor Rückschritt der Gleichstellung

Pauline Hansons Vorschläge zur Elternzeit und Einkommensaufteilung könnten die Fortschritte bei der Geschlechtergleichheit zunichtemachen

Die Position von Pauline Hanson bezüglich bezahlter Elternzeit und Kinderbetreuung löste bei Ökonomen ernste Bedenken aus. Experten warnten davor, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen die Gleichstellung der Geschlechter rückgängig machen und die Produktivität sowie die Geschlechterungleichheit verschärfen könnten. In einer kontroversen Ansprache vor dem National Press Club deutete Hanson an, dass Frauen während der Mutterschaftszeit nicht von ihren Arbeitgebern bezahlt werden sollten. Sie sprach zudem vor großen Änderungen im Kinderbetreuungssystem und forderte eine Aufteilung der Einkünfte, um Eltern zu motivieren, zu Hause zu bleiben oder weniger zu arbeiten.

Hanson argumentierte, dass die Differenz in der Bezahlung existiere, weil Frauen nicht am Arbeitsplatz waren. Sie stellte die Frage, warum Unternehmen die Löhne von Frauen bezahlen sollten, wenn diese nicht arbeiteten. Die Einführung eines staatlich finanzierten Elternzeitmodells, das Eltern 26 Wochen zum Mindestlohn gewährte, stellte eine Alternative dar. Leonora Risse, Professorin für Wirtschaftswissenschaften, äußerte sich kritisch zu solchen Änderungen. Sie bemerkte, dass die Infragestellung dieser Politik die Zeit auf viele Jahrzehnte zurückwarf, in denen das Spielfeld ungleich war und die Geschlechterlücke wesentlich größer war.

Risse betonte, dass die finanziellen Implikationen für Frauen weit über die reine Bezahlung hinausgingen. Sie argumentierte, dass die Möglichkeit, eine Rolle in der Arbeitswelt beizubehalten, die Entscheidungsbefugnis zu besitzen und gesellschaftlichen Status zu genießen, entscheidend für die Gleichstellung sei. Sie erklärte, dass eine wettbewerbsfähige bezahlte Elternzeit Frauen ermöglichte, länger in der Arbeitswelt zu verweilen und die Produktivität zu steigern, da dies eine gute Passung zwischen Job und Tätigkeit sicherte.

Hanson forderte zudem eine Überarbeitung des Kinderbetreuungssystems, dessen jährliche Kosten etwa 16 Milliarden Dollar betrugen. Sie bezeichnete das System als „komplett außer Kontrolle“ und forderte eine Untersuchung. Sie wünschte sich, dass Gelder direkt an die Eltern fließen sollten, anstatt an die Betreuungsanbieter. Caroline Croser-Barlow, Chefetische Geschäftsführerin der Organisation The Front Project, betonte die Notwendigkeit qualitativ hochwertiger Betreuung für arbeitende Eltern. Sie verwies darauf hin, dass die Investition in sichere Umgebungen für Kinder essenziell sei, um die Arbeitsfähigkeit der Gesellschaft zu gewährleisten.

Ein unabhängiger Ökonom, Silvia Griselda, warnte davor, dass Versuche, Frauen zur Verweildauer zu Hause zu motivieren, zu Fachkräftemangel und einem erhöhten Bedarf an Migration führen könnten. Sie merkte an, dass die Bildung von Frauen im Durchschnitt höher war als die von Männern. Griselda betonte zudem, dass die Aufteilung der Einkünfte sorgfältig gestaltet werden müsse, um die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen zu gewährleisten. Sie befürchtete, dass solche Politikansätze langfristig die Wirtschaft und die Haushalte belasten würden.

ElternzeitGeschlechtergleichheitKinderbetreuungArbeitsmarkt

Teilen

𝕏 Twitter WhatsApp