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Hantavirus-Ausbruch: Ushuaia bestreitet Ursprung in der Provinz

Experten spekulierten über eine Infektion auf einem Müllplatz; Behörden betonten die Unwahrscheinlichkeit lokaler Fälle.

Die südlichste Stadt Argentiniens, Ushuaia, genoss lange Zeit den Ruf als „Ende der Welt“ und als Tor zu Antarktis sowie zum Erkunden der dramatischen Natur Patagoniens. In jüngster Zeit geriet die Stadt jedoch unter den Schatten einer anderen Bekanntheit: der Vermutung, sie sei der Ursprung des Hantavirus-Ausbruchs auf dem niederländischen Schiff MV Hondius gewesen. Die Kreuzfahrt befand sich nun in Teneriffa, wo die Passagiere evakuiert und nach Hause gebracht wurden. Die Reise begann am 1. April, weit entfernt in Ushuaia in der Provinz Tierra del Fuego.

An Bord befanden sich 114 Passagiere und 61 Besatzungsmitglieder aus 22 Ländern. Obwohl der Virus an Bord gelangt worden war, blieb der genaue Ursprung und die Identität der Träger unklar. Diese Ungewissheit schuf intensive Spekulationen in den Medien. Eine Theorie besagte, dass ein Passagier an einer Müllkippe am Stadtrand von Ushuaia infiziert worden sei, wo Touristen Vögel beobachteten und wo Abfall Ratten und Mäusen anzog.

Argentinische Beamte, die anonym zu einigen Nachrichtenquellen sprachen, nannten diese Vermutung als ihre führende Hypothese. Diese Suggestion fand jedoch bei den lokalen Behörden keinen positiven Empfang. Juan Facundo Petrina, der Direktor General für Epidemiologie und Umweltgesundheit der Provinz, erklärte, dass in Tierra del Fuego keine Fälle des Hantavirus in der Provinzgeschichte verzeichnet wurden. Er betonte, dass seit 1996, als das Nationale Überwachungssystem den Virus zu den meldepflichtigen Krankheiten hinzufügte, keine einzigen Fälle in der Provinz auftraten.

Petrina argumentierte, dass seine Provinz unwahrscheinlich die Quelle der Infektion sei. Er erläuterte, dass die endemische Zone für das Hantavirus weit über 1.500 Kilometer nördlich lag. Er wies darauf hin, dass die notwendigen Bedingungen für die Entwicklung des Virus – weder die Luftfeuchtigkeit noch die Temperatur – nicht mit der nördlichen Patagonien übereinstimmten. Er betonte zudem, dass Nagetiere geografische Grenzen nicht respektierten und die Überquerung des Magellanstraits zur Infektion lokaler Arten eine zusätzliche Schwierigkeit darstellte.

Trotz der Expertenmeinung, dass die Infektion in Tierra del Fuego unwahrscheinlich gewesen sei, verkündete die nationale Regierung Argentiniens, eine Expertenteam in die Provinz zu entsenden. Das Team sollte untersuchen, ob Spuren des Hantavirus oder der langschwänzigen Maus in der Region vorhanden waren. Die Experten sollten Ratten an der Müllkippe fangen und diese auf den Virus testen. Zwei Tage nach der Ankündigung waren die Experten jedoch noch nicht eingetroffen. Währenddessen forderte Epidemiologe Eduardo López, Leiter des Departements für Medizin und Infektionskrankheiten, weitere Untersuchungen in der Provinz. Er betonte, dass Ökosysteme sich veränderten und die Verbreitung von Nagetieren, wie der langschwänzigen Pygmy-Reismaus, in Buenos Aires und anderen Regionen eine Rolle spielte.

Die Dringlichkeit der Situation war nicht nur wissenschaftlicher Natur, sondern auch wirtschaftlicher Bedeutung. Tierra del Fuego war die jüngste und am wenigsten bevölkerte Provinz Argentiniens. Die Tourismusbranche, insbesondere die Kreuzfahrtindustrie, bildete die Grundlage der Provinzwirtschaft. Trotz der erhöhten Anfragen internationaler Betreiber gab es keine offiziellen Kreuzfahrtstornierungen. Die lokalen Behörden versicherten, dass die Abwesenheit von Fällen in der Provinz beruhigend sei. Die Gesundheitsbehörden versuchten, den Ursprung der Infektion zu bestimmen, und die Ermittler versuchten, die Reise der niederländischen Familie anhand von Grenzdurchgangsunterlagen nachzubilden. Die offizielle Theorie blieb offen, doch die Evakuierung der Passagiere und Besatzungsmitglieder hoffte, Hinweise zu liefern.

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