Die ehemalige Premierministerin Sheikh Hasina versprach eine Rückkehr nach Bangladesch im Dezember, obwohl sie dort wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit Todesstrafe drohte. Hasina, die die Anschuldigungen bestritt, erklärte in einer Sendung in Delhi, sie müsse zurückkehren, ohne jedoch konkrete Pläne oder Termine bekannt zu geben. Ihre Awami League Partei zerfiel, und indische Beamte sahen sich unter Druck, sie auszuliefern, nachdem ein Sondergericht in Dhaka sie letztes Jahr zur Todesstrafe verurteilt hatte.
Hasina hatte sich während eines Aufstands gegen die Regierung im Jahr 2024 nach Indien geflohen und wurde in Abwesenheit verhandelt. Sie behauptete, die Anschuldigungen seien politisch motiviert gewesen, doch UN-Untersuchungen fanden Beweise dafür, dass sie und ihre Regierung systematische, tödliche Gewalt zur Machtkonsolidierung einsetzten. Aufgenommenen Telefonaten belegten, dass Hasina die brutale Niederschlagung von Demonstranten angeordnet hatte. Schätzungen der Vereinten Nationen ergaben, dass bis zu 1400 Menschen bei den Protesten ums Leben kamen.
Nach ihrer Absetzung übernahm eine Übergangsregierung die Kontrolle. Die Bangladeschische Nationalistische Partei kam durch Wahlen im Februar dieses Jahres an die Macht, wobei Tarique Rahman, der Sohn der ehemaligen Premierministerin Khaleda Zia, Premierminister wurde. Die neue Regierung warnte die lokale Presse davor, Hasinas Äußerungen zu veröffentlichen oder zu senden. Eine Erklärung des Außenministeriums betonte, dass das Land niemals wieder in die dunklen Zeiten des Faschismus zurückkehren würde und Bangladesch kein abhängiges Staatengebiet mehr sein würde.
Hasinas Anwesenheit in Delhi belastete die Beziehungen zu Bangladesch, das ihre Auslieferung wünschte. Experten äußerten Bedenken hinsichtlich der persönlichen Gefahr für Hasina: Eine Rückkehr nach Bangladesch würde wahrscheinlich sofort zu ihrer Verhaftung führen. Befürworter der Regierungspartei und der Studentenpartei könnten Demonstrationen organisieren, um die Vollstreckung ihrer Strafe zu fordern.
Für die Awami League standen jedoch hohe Einsätze auf dem Spiel, falls Hasina nicht zurückkehrte. Die Partei beklagte den Verlust von Unterstützern und befürchtete, dass die Gewalt weitergehen würde. Ein ehemaliger Minister Hasinas Kabinetts, Mohammad Ali Arafat, äußerte die Sorge, dass die Gewalt fortgesetzt würde, wenn Hasina nicht zurückkehrte, und die Awami League ausgelöscht würde.