Eine Untersuchung zu Hassverbrechen gegen schwule und bisexuelle Männern in Viktorien erfasste Fälle, in denen internationale Studierende durch die Drohung der Enthüllung in ihren Herkunftsländern erpresst wurden. Polizeibehörden identifizierten seit Juni 2024 neunundneunzig Angriffe gegen schwule und bisexuelle Männer in der Region, was zu vierundzwanzig Verhaftungen führte. Chad Hughes, Chef-Executive von Thorne Harbour Health, erklärte gegenüber der Untersuchung, dass die tatsächliche Zahl der Opfer weitaus höher sei, da viele Personen aus Angst vor dem Misstrauen gegenüber der Polizei zögerten, vorzugehen.
Jenna Tuke, Chef-Executive von Switchboard Victoria, die an der Anhörung teilnahm, betonte, dass viele Opfer zusätzlich Angst vor der Weitergabe ihrer sexuellen Orientierung an Familienmitglieder im Ausland hatten. Diese Angst diente den Tätern als Druckmittel. Sie berichtete, dass sie Geschichten hörten, in denen Personen aufgefordert wurden, Geld zu hinterlegen, andernfalls würde ein Video an alle Kontakte, einschliesslich Familienangehöriger im Ausland, verteilt. Es zeigte sich ein klares Muster: Opfer wurden oft angewiesen, sich an einem öffentlichen Ort zu treffen, bevor sie körperlicher Gewalt ausgesetzt wurden, gefilmt und dann erpresst. Diese Täter zielten gezielt auf Personen, die als schwul oder queer wahrgenommen wurden, und nutzten die Konsequenzen der Enthüllung als massive Bedrohung.
Hughes erklärte, dass die Angriffe absichtlich und demütigend waren. Die Opfer wurden gezwungen, Beleidigungen vor der Kamera zu rezitieren, und die Aufnahmen wurden online verbreitet, um den Tätern Status bei ihrer Zielgruppe, den sogenannten “Manosphere”, zu verleihen. Einige der Täter waren so jung wie dreizehn Jahre. Diese Opfer wurden nicht zufällig ausgewählt, sondern gezielt, weil sie als schwul oder bisexuell wahrgenommen wurden. Dies stellte klare Hassverbrechen dar.
Ein Zeuge berichtete von einem Fall, bei dem er über eine Dating-App mit einer Person kommunizierte, bevor er in der Öffentlichkeit von zwei Jugendlichen angegriffen wurde. Die Täter nahmen ein Messer mit sich und zeigten es ihm entgegen. Dieser Vorfall verdeutlichte die reine Verachtung, die hinter diesen Angriffen steckte. Die Beteiligung von “far-right” Influencern aus der “Manosphere” bildete Teil der Untersuchungsgrundlagen. Rechtsanwälte betonten, dass solche Angriffe in anderen Ländern, wie dem Vereinigten Königreich, Kanada und den Vereinigten Staaten, ebenfalls auftraten. Es gab Berichte über ähnliche Taktiken sogar in Libanon.
Experten wiesen darauf hin, dass Dating-Apps den Tätern eine beispiellose Leichtigkeit bei der Identifizierung potenzieller Opfer ermöglichten. Daten aus dem australischen Bundesstaat New South Wales zeigten, dass eine spezielle Einheit für Hassverbrechen 197 Vorfälle von LGBTQA+-Hassverbrechen registrierte. Ein Experte aus Deakin University deutete an, dass einige der Angriffe in New South Wales als “vom Islamischen Staat inspirierte” beschrieben werden konnten. Er warnte davor, dass Australien nicht auf einen Massenmordanschlag warten sollte, um solch tiefgreifende Hassverbrechen ernst zu nehmen.