Die Lichtfaser-Drohnen wurden zur Hauptwaffe von Hezbollah gegen israelische Soldaten und Zivilisten an beiden Seiten der libanesischen Grenze. Diese Drohnen galten als die größte Gefahr in der Region, während ein vermeintliches Waffenstillstandsabkommen noch sechs Wochen andauerte. Bei einem Angriff nahe der israelischen Grenzgemeinschaft Shomera starb ein israelischer Soldat und wurden zwei weitere verwundet. Seit Inkrafttreten des Waffenstillstands wurden acht israelische Soldaten durch diese Lichtfaser-Drohnen getötet.
Die Angriffe richteten sich größtenteils gegen israelische Streitkräfte, welche ein großes Gebiet im Süden des Libanon besetzten. Hezbollah verstärkte jedoch auch die Angriffe auf israelische Gemeinden entlang der Grenze. Das Alma Research Center, ein israelisches Forschungsinstitut, dokumentierte mehr als hundert Drohnenangriffe auf Gemeinden innerhalb Israels seit April. In Shomera hinterließen die Drohnen Spuren von Lichtfaserdrähten auf den Straßen und erzeugten ein neues Gefühl der Angst in dieser hartgesottenen Gemeinschaft.
Die Drohnen, die von Hezbollah eingesetzt wurden – bekannt als Erste-Personen-Sicht-Systeme – waren wesentlich schwerer zu entdecken als Raketen und Granaten. Sie wurden mit Sprengstoffen beladen und flogen niedrig, ohne ein Funksignal, das von der israelischen Armee gestört werden konnte. Die Drohnen verbanden sich mit ihren Bedienern über einen dünnen optischen Draht, welcher es ihnen ermöglichte, Ziele auf dem Boden zu sehen und zu verfolgen. Diese Taktik hatte sie aus dem Krieg in der Ukraine übernommen.
In den Grenzgemeinden erklangen mehrmals täglich Sirenen, die auf eine Drohne wiesen, welche aus dem Libanon über die Grenze kam. Bei Raketen gab es eine begrenzte Reaktionszeit, bei Drohnen bestand keine Möglichkeit, den genauen Zeitpunkt des Aufpralls vorherzusehen. Die israelische Armee konnte Drohnen manchmal abfangen, verlor jedoch häufig den Kontakt mit diesen kleinen, fliegenden Geräten. In einem Vorfall in Shomera traf der Angriff jedoch nicht ein.
Die Drohnen lieferten jedoch Beweise für die neue Bedrohung. Mitglieder der Sicherheitsgruppe der Gemeinschaft filmten kurz vor dem Angriff eine Drohne, die entlang einer Straße flog. Ein Sicherheitsmitarbeiter berichtete, dass die Drohne kam und sie in das Haus eilten. Die Drohnen stellten eine neue und unterschiedliche Bedrohung dar, da sie mit Kameras ausgestattet waren und bei Sichtung eines Soldaten oder einer unerwünschten Person einfach abstürzten und explodierten.
Das Alma Research Center äußerte die Einschätzung, dass Hezbollah Dutzende ausgebildeter Drohnenbediener besaß und ein erhebliches Vorrat an den kleinen, kostengünstig hergestellten Drohnen ansammelte. Experten vermuteten, dass dies ein direkter Befehl aus dem Iran sei, um eine Situation zu erzeugen, in der Israel Hezbollah angreifen müsse. Hezbollahs Ziel sei es gewesen, so viele Leben wie möglich zu schädigen, und sie versuchten, Zivilisten in Wohngebieten anzugreifen, wenn israelische Soldaten sich physisch besser schützen konnten.
Die israelische Verteidigungsführung erkannte die taktische Herausforderung an. Die Armee begann, ihre Positionen mit Netzen zu bedecken, um die winzigen Drohnen einzufangen. Es wurden zudem neue Systeme entwickelt, darunter fortschrittliche Abfangdrohnen und Spezialmunition zur Zerstörung von Drohnen. Die israelische Presse berichtete, dass die bisher entwickelten Verteidigungssysteme unzureichend seien. Die Armee betrachtete den Kampf gegen Drohnen als eine zentrale Mission des Nordkommandos und investierte erhebliche Ressourcen in die Entwicklung neuer Fähigkeiten.