Die Hitzewelle erfasste einen grossen Teil Englands und Wales und zog die Warnstufe Rot des Met Office in die Freitagnacht hinein. Die höchsten Temperaturen konzentrierten sich auf Ost- und Südostengland, wo die Höchstwerte im Schatten 36 Grad überschritten und an einigen Stellen bis zu 38 Grad stiegen. Nach einer weiteren sehr warmen Nacht erwarteten Experten die grössten Auswirkungen innerhalb dieser Rotwarnzone am Freitag. Die Hitze wurde von hoher Luftfeuchtigkeit begleitet, welche die Gefahr von Unwohlsein und gesundheitlichen Beeinträchtigungen verstärkte und die Möglichkeit zur Erholung über Nacht reduzierte. Die Öffentlichkeit wurde aufgefordert, alle Massnahmen zu ergreifen und ihre täglichen Abläufe anzupassen, was in der Vergangenheit für das Vereinigte Königreich extrem selten war.
In Frankreich verstarb ein dreijähriger Junge nach einer Hitzewelle, als er in der Region Paris in einem Auto gefangen war. Ein Staatsanwalt berichtete, dies war der dritte solche Todesfall in dieser Woche. Der Junge war in das Familienauto gesprungen, als sein Vater ihn für schlafend hielt, und konnte sich dann nicht aus dem Fahrzeug befreien, da die Kindersicherung aktiviert war. Die Mutter befand sich mit ihrem zweiten Kind, einem acht Monate alten Säugling, im Schlaf, während der Vater in einer Scheune im Garten arbeitete. Diese Tragödie verdeutlichte die unmittelbare Gefahr, die extreme Hitze darstellte.
Auch in Deutschland erreichte die Hitzewelle ihren Höhepunkt am Donnerstag, als Temperaturen über 40 Grad erwartet wurden und mehrere Freiluftveranstaltungen abgesagt wurden. Weite Teile des Landes befanden sich bereits unter „schwerer bis extremer Hitzestress“, mit Temperaturen um die 37 Grad. Die Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete, dass die aktuellen deutschen Rekorde für Juni leicht gebrochen werden konnten. Die Bahn warnte Kunden vor Reiseverkehr und bot Ticketrückerstattungen an. Die Situation zeigte die Belastung der Infrastruktur und die Notwendigkeit von Notfalldiensten.
In Italien führten die extremen Temperaturen zu fünf Todesfällen innerhalb von 24 Stunden, als die Temperaturen in weiten Teilen des Landes 41 Grad erreichten. Die Hitze stellte die Stromnetze stark infrage, da wiederholte Stromausfälle die Klimaanlagen in grossen Städten wie den Uffizien in Florenz störten. Museen mussten Besucherzahlen begrenzen und Ticketverkäufe vorübergehend aussetzen, da die Kühlsysteme die Belastung nicht bewältigen konnten. Zudem verhängten einige Regionalregierungen Verbote für Arbeiten im Freien während der heissesten Stunden, was die Einkommen von Bauarbeitern und Lieferfahrern bedrohte. Gewerkschaften forderten von der Regierung Notfallfonds, um die Arbeitskräfte zu entschädigen, die aufgrund der Hitze ihre Arbeit einstellen mussten.
Die Regierung in England reagierte auf die Lage durch die Einberufung von Cobra-Sitzungen auf offizieller Ebene, um die Bewältigung der Hitzewelle in Schulen und öffentlichen Dienstleistungen zu koordinieren. Es wurde betont, dass Schulen Massnahmen ergreifen mussten, wobei jede Schule ihre lokalen Bedingungen bewertete. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung der Schulgebäude thematisiert. Experten wiesen darauf hin, dass die Renovierung der 22.000 staatlichen Schulen und Colleges auf den aktuellen Fortschrittsraten bis 2246 dauern würde. Es wurde gefordert, Investitionen in die Schulgebäude zu beschleunigen, um die Resilienz gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen.
Ein weiterer Aspekt betraf die Gesundheitsrisiken. Experten warnten vor einem Anstieg von Mücken, die Krankheiten wie Denguefieber und Zika verbreiten könnten. Die aktuellen Wetterbedingungen im Vereinigten Königreich seien ideal für Mücken, da Wärme und stehendes Wasser für die Brut notwendig seien. Es wurde empfohlen, Schutzmassnahmen zu ergreifen, um Mückenstichen vorzubeugen. Ein Klimaforscher betonte zudem, dass die Nachttemperaturen für die Gesundheit weitaus wichtiger seien als die Höchstwerte des Tages, da warme Nächte die körperliche Erholung behinderten und das Gesundheitsrisiko erhöhten.