Das ungarische Parlament beschloss eine Verfassungsänderung, welche die Amtszeit eines Premierministers auf acht Jahre begrenzte. Diese Maßnahme erfüllte ein Versprechen von Péter Magyar, Viktor Orbán als zukünftigen Premierminister zu verhindern. Orbán hatte Ungarn ununterbrochen für sechzehn Jahre regiert, bis seine Partei, die Tisza-Partei, ihn bei der Wahl im April aus der Macht verdrängte. Die Tisza-Partei gewann eine Zweidrittelmehrheit, welche die notwendige Kompetenz zur Änderung der Verfassung verlieh.
Mit der neuen Regelung durfte kein Premierminister seit 1990 mehr als zwei Amtszeiten ausüben, selbst wenn diese zeitlich voneinander getrennt waren. Die Fidesz-Partei von Orbán lehnte die Maßnahme ab, und der ehemalige Premierminister, der am Wochenende als ihr Anführer wiedergewählt wurde, äußerte sich scharf kritisch. Er erklärte, dass das Orbán-Gesetz bereits verabschiedet worden sei und er für die Zukunft bereit sei, wenn er gebraucht werde.
Die Regierung der Tisza-Partei nutzte eine sogenannte Supermehrheit, um die Änderung mit 135 zu 50 Stimmen durchzusetzen. Die Verfassungsänderung benötigte nun lediglich die Unterschrift des Präsidenten Tamás Sulyok, um in Kraft zu treten. Der ehemalige politische Direktor von Orbán, Balázs Orbán, beschuldigte Magyar, politische Macht zu nutzen, um einen politischen Gegner aus dem demokratischen Wettbewerb auszuschließen.
Die Änderung der Verfassung Ungarns bedeutete zudem, dass Magyar als Premierminister nur bis 2034 regieren konnte. Er trat letzten Monat an die Macht, mit dem Versprechen, Teile des umstrittenen Staatsapparates zu beseitigen, die Fidesz während seiner sechzehnjährigen Herrschaft etabliert hatte.
Parallel dazu wandte sich das Parlament dem weiteren Änderungen der Gesetze zu, die notwendig waren, bevor einige der Milliarden Euro, die von der Europäischen Kommission zurückgehalten wurden, freigegeben werden konnten. Dazu gehörten die Stärkung der Rolle der ungarischen Anti-Korruptionsaufsicht, der Integritätsbehörde. Das Parlament gedenkte zudem des Jahrestages der Hinrichtung der Führer der ungarischen Revolution von 1956 gegen die Sowjetherrschaft.
Während der Sitzung beschuldigte Balázs Orbán Magyar, Reformen durchzusetzen, die Tausende ungarischer Studenten einer ungewissen Zukunft aussetzten, was zu einem Konflikt mit dem Premierminister führte. Magyar erklärte, dass Ungarn im Oktober den 70-jährigen Jahrestag der Revolution markieren würde und ein neues Kapitel in seiner Geschichte als Teil der „freien Welt“ aufschlug.