Ein Beamter der US-Einwanderungs- und Zollfahndung (ICE) sah sich mit einer sechsstelligen Bundesanklage konfrontiert, weil er über den Schuss auf einen venezolanischen Migranten gelogen hatte. Christian Castro, der noch nicht in Haft befand, stand wegen der Tat vom 14. Januar vor Gericht. Die Behörden behaupteten zunächst, Castro habe sich in Selbstverteidigung befunden, nachdem er von drei illegalen Migranten mit einer Schaufel und einem Besengriff angegriffen worden war.
Minnesota-Ermittler stellten jedoch eine andere Version dar. Sie vermuteten, dass Castro durch eine geschlossene Tür geschossen hatte und den Mann in die Beine getroffen hatte. Castro war Teil der Operation Metro Surge, bei der Tausende von Einwanderungsbeamten in den Mittleren Staat entsandt wurden. Diese Operation führte zu heftigen Protesten und zum Tod von zwei US-Bürgern durch die Beamten während der Konfrontationen.
Im Zusammenhang mit dem Vorfall gegen die Migranten wurden die Anklagen abgewiesen, da die Staatsanwaltschaft neue Beweismittel vorlegte. Allerdings stellten Videoaufnahmen in den Fokus der Ermittlungen und wirft Fragen hinsichtlich der Darstellung der Ereignisse durch die Beamten auf. Die Einwanderungsbehörde gab im Februar an, dass zwei Einwanderungsbeamte unrichtige Aussagen über den Schuss gemacht hätten, weshalb sie auf administrativen Urlaub gesetzt wurden.
Castro wurde im Mai in Texas festgenommen und für drei Monate in Untersuchungshaft gehalten. Die oberste Staatsanwaltschaft Minnesotas bat um seine Auslieferung, doch der Gouverneur von Texas lehnte den Antrag ab, da er ernsthafte Zweifel daran hegte, ob Castro als Fluchtfänger galt.
Die Behörden Minnesotas erklärten, der Beamte habe seine Waffe durch die Eingangstür eines Hauses abgefeuert, da er wusste, dass Personen gerade hineingerannt waren. Die Kugel traf eine Person in die Beine und hatte ihren letzten Aufprall in die Wand eines Kinderzimmers. Die Untersuchung der Vorgänge blieb offen.