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Identifizierung von Opfern: Familien kämpften um die Erinnerung nach den Erdbeben in Venezuela

Bei über 2.600 Todesopfern herrschte in La Guaira eine existenzielle Suche nach den Hinterbliebenen.

In La Guaira verwandelte sich eine Lagerstätte an einem Hafen zu einer provisorischen Leichenhalle. Dort herrschte eine existenzielle Krise: Familien, die ihre Angehörigen suchten, warteten stundenlang auf die Bestätigung der Todesfälle. Mit der Zahl der Opfer der Doppel-Erdbeben in Venezuela, die 2.600 überschritten, stand die Behörden vor der immensen Aufgabe, nicht nur die Überreste zu bergen, sondern auch die Identität der Verstorbenen festzustellen.

Die Dimension der Katastrophe überforderte die lokalen Dienste vollständig, weshalb Institutionen improvisieren mussten. Neun Tage nach den Beben verblieben kaum Infrastruktur. Die Leichen wurden draußen oder in provisorischen Zelten gelagert. Unter der sengenden Sonne warteten Dutzende von Familien in Los Silos, wo Angst und Verzweiflung zusammentrafen. Einige starrten leer in die Ferne, andere lasen Nachrichten oder beantworteten Nachrichten. Bolivarianische Streitkräfte kontrollierten den Zugang zum Gelände.

Die Identifizierung stellte die größte Hürde dar. Einige Angehörige suchten nach Spuren wie Kleidung oder Schmuck, doch die meisten mussten sich den Bildern stellen. Über tausend Fotos von Leichen flackerten auf den Bildschirmen, wobei viele Opfer durch Schwellungen oder Verletzungen schwer zu erkennen waren. Die Suche nach einem einzigartigen Merkmal, einer Tätowierung oder einem Band, verlief oft als endloser Prozess.

Einige Familien fanden jedoch Hoffnung. Eine Frau erkannte ihren Neffen dank einer verstaubten Decke. Andere benötigten die Hilfe von Fachleuten, die zahnmedizinische Unterlagen nutzten, um die Identität von Opfern zu klären. Trotz dieser Momente der Erleichterung blieb die Situation angespannt. Einige Angehörige berichteten, dass die Behörden keine Überlebenden finden konnten, obwohl Gerüchte über Stimmen in den Gebäuden kursierten.

Der Prozess der Bestattung und der Dokumentation verlief mühsam. Nach der Identifizierung wurden die Bestattungsmodalitäten festgelegt, Fingerabdrücke wurden genommen und die Überreste in Sarg gelegt. Die Bürokratie begann, die notwendigen Dokumente für die Bestattungsunternehmen zu erstellen. Für einige Familien bedeutete dies ein weiteres Warten auf Papiere und Transporte, während die Angehörigen in ständiger Ungewissheit verharrten.

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