Die Intensivierung des Konflikts im Nahen Osten führte zu einer tiefgreifenden Entwicklung der Beziehungen zwischen Indien und Israel. Unter der Führung von Narendra Modi nahm die Verbindung zu Israel eine neue Dimension an, insbesondere angesichts der internationalen Isolation und der Kritik an den militärischen Aktionen im Gazastreifen. Indien entwickelte sich von einem Land, das die palästinensische Sache befürwortete und die Nicht-Alignment-Bewegung anführte, zu einem strategisch und militärisch eng verbundenen Partner.
Diese Verschiebung manifestierte sich in einer Untersuchung der Amnesty International, welche Indiens Rolle in der israelischen Waffenlieferkette aufzeigte. Indien wurde nun zu einem zentralen Bestandteil der Produktionskette Israels. Während Indien zuvor primär ein großer Abnehmer israelischer Waffen war, fungierte es durch gemeinsame Unternehmungen und Fertigungspartnerschaften als bedeutender Beitrag zur Waffenproduktion Israels. Indische Unternehmen, darunter staatliche Betriebe, lieferten Komponenten für Drohnen, Artilleriegranaten und militärische Fahrzeugteile an israelische Waffenlieferanten.
Die Untersuchung verfolgte Handelsdaten und trannte Hunderttausende von Komponenten von indischen Fabriken zu israelischen Militärlieferanten zwischen Oktober 2023 und November 2025. Dazu gehörten 390.516 Teile für Kleinwaffen, 564.970 Teile für Sprengstoff und 298 Komponenten für Militärfahrzeuge. Diese Lieferungen erfolgten trotz des erheblichen Risikos, dass die Waffen in den Konfliktgebiet Gazas gelangten.
Internationale Akteure, darunter viele westliche Staaten, beschränkten oder verboten die Waffenlieferungen an Israel, da sie Risiken sahen, dass die Waffen zur Verletzung des humanitären Völkerrechts genutzt werden könnten. Gleichzeitig stellten unabhängige UN-Kommissionen fest, dass Israel Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hatte. Trotz dieser ernsten Entwicklungen führte die Amnesty-Bericht keine weitreichende öffentliche Debatte in Indien aus. Experten vermuteten, dass dies auf die Unterstützung Israels durch Modis Wählerschaft zurückzuführen war, wo eine ideologische Verbindung zwischen Hindutva und Zionismus bestand.
Die Regierung Indien erklärte, dass Exportbestimmungen für militärische Produkte durch das „nationale Interesse“ bestimmt wurden. Obwohl die Regierung keine direkte Stellungnahme zu den Waffenlieferungen gab, identifizierte die Amnesty-Studie drei staatliche indische Unternehmen, die Israel mit Waffen versorgten und damit Indien dem Risiko der „Komplizenschaft bei laufenden Verbrechen in Gaza“ aussetzten. Kritiker, darunter Menschenrechtsaktivisten und linke Parteien, äußerten sich gegen diese enge Allianz. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Abhängigkeit von Israel eine wirtschaftliche und sicherheitspolitische Herausforderung darstellte, insbesondere angesichts der Bedrohung der Energiesicherheit Indiens durch den Krieg im Iran.