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Stadtplanung

Indiens Städte vergaßen die Fußgänger: Das Urteil und die Notwendigkeit neuer Stadtplanung

Das Recht auf sicheres Gehen wurde anerkannt, doch die Infrastruktur blieb hinter den Erwartungen zurück.

Indien galt lange als eine Nation der Fußgänger, doch die Städte vernachlässigten diese grundlegende Mobilitätsform. Das Oberste Gericht erklärte im Juni das Recht auf sicheres Gehen auf ausgewiesenen Fußwegen für ein fundamentales Recht. Dieses Urteil stellte eine Korrektur jahrzehntelanger städtebaulicher Entscheidungen dar, die den Verkehr vorrangig auf motorisierte Fahrzeuge ausrichteten. Die Entscheidung betonte, dass das Recht auf den Fußweg das Privileg eines motorisierten Fahrzeugs überstehe.

Die Mobilität in indischen Städten zeigte eine deutliche Diskrepanz. Während rund fünfundvierzig Millionen Menschen täglich zu Fuß zur Arbeit gingen, nutzten nur etwa fünf Millionen die privaten Autos, Jeeps oder Vans. Ein Großteil der städtischen Pendler nutzte den Fußweg; eine Umfrage ergab, dass sechzig Prozent aller Wege zu Fuß zurückgelegt wurden, wodurch Fußgänger die größte Gruppe der Straßennutzer bildeten.

Die Realität auf den Straßen war jedoch hart. Fußgänger wurden oft in die Randbereiche der Verkehrsnetze gedrängt, mussten mit Motorfahrzeugen um Platz kämpfen und sahen sich mit gefährlichen Situationen konfrontiert. Gehwege waren häufig zerbrochen, schmal oder für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen unzugänglich. Sie wurden von Motorrollern blockiert, von geparkten Fahrzeugen verschluckt oder für Bauarbeiten aufgerissen.

Die Folgen dieser mangelhaften Infrastruktur waren gravierend. Fußgängeraccounts für etwa ein Fünftel der Verkehrstodesfälle wurden offiziell genannt, doch unabhängige Studien schätzten diesen Anteil auf dreißig bis vierzig Prozent. Fußgänger bildeten zudem die zweitgrößte Gruppe der Verkehrsunfälle. Die Kosten für diese Unfälle, gemessen an Produktivitätsverlust und Gesundheitsausgaben, beliefen sich auf geschätzte drei bis fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr.

Die Problematik lag nicht nur in der physischen Infrastruktur, sondern auch in der städtischen Verwaltung. Experten bemängelten, dass die städtische Verkehrsführung weiterhin auf der Bewegung von Fahrzeugen zentriert blieb. Die Priorität lag auf der Maximierung des Platzes für den motorisierten Verkehr, was den Fußgängern den Vorrang entzog. Die Stadtverwaltungen zögerten oft, Gehwege zu verbreitern, da sie den Fahrraum als unantastbar betrachteten.

Um eine wirklich fußgängerfreundliche Stadt zu schaffen, bedurfte es mehr als nur der Einrichtung von Gehsteigen. Es erforderte eine grundlegende Neugestaltung der Stadtlandschaft. Es musste überlegt werden, wie Straßen so gestaltet wurden, dass sie nicht nur eine Transportroute darstellten, sondern auch Räume für soziale Interaktion, Schattenplätze und Ruhezonen boten. Die Stadtplanung musste die Perspektive erweitern und die Fußgänger als integralen Bestandteil der urbanen Struktur anerkennen.

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