Die Zahl der durch Konflikte oder Gewalt ausgelösten internen Vertreibungen erreichte weltweit im Jahr 2025 einen Rekordwert und übertraf damit erstmals die Zahl der durch Naturkatastrophen verursachten Binnenvertreibungen. Ein Bericht des Internen Flüchtlingsbewegungszentrums (IDMC) zeigte, dass bis Ende 2025 32,3 Millionen Menschen durch Konflikte vertrieben wurden. Dies entsprach einer Steigerung von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und stellte erstmals seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2008 die Vertreibungen durch Naturkatastrophen in den Schatten.
Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats, bezeichnete diese Zahlen als ein „Zeichen eines globalen Zusammenbruchs“ beim grundlegenden Schutz der Zivilbevölkerung. Er betonte, dass unzählige Familien in zerstörten Wohnungen und fehlenden Dienstleistungen zurückkehrten oder gar nicht zurückkehren konnten. Von der Demokratischen Republik Kongo über den Sudan bis nach Iran und Libanon verließen Millionen Menschen zusätzlich zu den bereits vorangegangenen Rekordzahlen ihre Heimat.
Insgesamt verließen im Jahr 2025 82,2 Millionen Menschen ihre Heimat. Diese Zahl stellte den zweithöchsten Wert dar, nachdem 2024 ein historischer Höhepunkt von 83,5 Millionen verzeichnet worden war. Es stellte auch den ersten Rückgang der Zahl der Menschen dar, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, seit die Datenerfassung vor zwanzig Jahren begann. Dieser Rückgang resultierte aus Rückkehren in Teilen des Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und Syrien sowie aus mangelnder Datenverfügbarkeit.
Dennoch warnte der Bericht davor, den Rückgang als Fortschritt zu interpretieren. Hinter den sinkenden Zahlen verbargen sich Hunderttausende von erzwungenen Rückkehrungen, zerstörte Infrastruktur und eine zunehmende soziale sowie ökologische Belastung, welche dauerhafte Lösungen für die Betroffenen unrealistisch machten. Mehr als 83 Prozent der Vertriebenen im Jahr 2025 flohen aus ihren Ländern aufgrund von Konflikten und Gewalt, während der Rest durch Naturkatastrophen vertrieben wurde.
Fast die Hälfte aller Menschen, die im Vorjahr durch Konflikte vertrieben wurden, befand sich in Sudan, Kolumbien, Syrien, Jemen und Afghanistan. Der Sudan verzeichnete für das dritte Jahr in Folge die höchste Zahl an intern Vertriebenen. Die Rekordzahl der durch Konflikte verursachten Vertreibungen resultierte aus neuen internationalen Konflikten und der Intensivierung bestehender Konflikte, welche die Rückkehr der Menschen unmöglich machten. In 2025 waren 46 Prozent der durch Gewalt verursachten internen Vertreibungen mit internationalen bewaffneten Konflikten verbunden, was die Zahl des Vorjahres nahezu verdoppelte. Iran und die Demokratische Republik Kongo verzeichneten zwei Drittel aller durch Konflikte verursachten internen Vertreibungen. Tracy Lucas, Direktorin des IDMC, erklärte, dass man bei den Bewegungen der Menschen erkennen müsse, dass diese kontinuierlich vertrieben wurden und dass die Systeme, welche den Schutz dieser Menschen sollten, demontiert wurden.