Die Kreditvergabe an Immobilieninvestoren sank in den drei Monaten bis Juni drastisch. Nach Angaben der ABS verzeichnete dieser Bereich einen Rückgang von fast neun Prozent. Gleichzeitig fielen die Gesamtzahl der neuen Immobiliendarlehen im Juni-Quartal um 5,4 Prozentpunkte. Diese Entwicklung signalisierte eine Verschiebung im australischen Wohnungsmarkt, die Experten als einen kleinen Schritt in die richtige Richtung zur Herstellung eines gerechteren Marktes bezeichneten.
Die großen Banken berichteten in jüngster Zeit von einem Rückgang der Hypothekenanträge. Dieser Rückgang resultierte aus drei Zinserhöhungen der Zentralbank sowie aus Änderungen der Investorensteuern im Bundeshaushalt, welche die Immobilienpreise belasteten. Mish Tan, Leiterin der Finanzstatistiken der ABS, stellte fest, dass die Kreditvergabe über alle Kreditnehmergruppen hinweg in diesem Quartal sank und auf ähnliche Niveaus wie das Vorjahr zurückkehrte.
Insbesondere die Kredite an Investoren trieben den Rückgang an. Diese fielen im Juni-Quartal um 8,6 Prozent, während die Wertentwicklung der Darlehen an Investoren um 10,2 Prozent gesunken war. Die Anzahl der Darlehen für Erstkäufer verzeichnete ebenfalls einen Rückgang von 2,9 Prozent über den dreimonatigen Zeitraum und blieb im Jahresvergleich stabil. Saul Eslake, ein führender Wohnungsökonom, äußerte sich positiv über die Entwicklung. Er betrachtete den Rückgang der Kredite an Investoren für etablierte Wohnungen als begrüßenswert an. Er argumentierte, dass dies den potenziellen Erstkäufern weniger Wettbewerb durch Investoren bedeutete, die durch Steueranreize für bereits vorhandene Immobilien motiviert waren.
Die Zahlen zeigten jedoch eine differenzierte Entwicklung. Während die Darlehen an Investoren für bestehende Immobilien um 14,8 Prozent sanken, stieg die Anzahl der Darlehen an Investoren für Neubauten um 4,4 Prozent auf ein Rekordniveau. Dies war ein möglicher Effekt der staatlichen Budgetmaßnahmen, die Investorenkredite für den Bau neuer Wohnungen ermöglichten. Eslake bemerkte, dass diese Investitionen in Neubauten die Mietangebote erhöhten und somit den Mietern nicht gegen Investoren für bestehende Wohnungen antreten ließen.
Die Vertreterin der Organisation Everybody’s Home, Maiy Azize, beurteilte die Statistiken als ein Zeichen dafür, dass die Steuerreformen der Regierung den Markt „beginnend zu ausgleichen“. Sie hob hervor, dass das wichtigste Zeichen darin lag, dass Investoren sich von bestehenden Wohnungen zurückzogen, während die Investitionen in neue Wohnungen wuchsen. Dies reduzierte den Wettbewerb für Erstkäufer. Azize betonte zudem, dass die Änderung der Regeln und die Einstellung der Förderung von Investoren den Mythos entkräfteten, dass Migration der Haupttreiber für die Hauspreise sei. Die Verringerung der Wohnkosten sei ein positiver Effekt, insbesondere für Menschen, die ihr erstes Zuhause erwerben wollten.