Irland nahm an der diesjährigen Eurovision Song Contest nicht teil. Diese Entscheidung erfolgte im Zuge eines Boykotts, der auf die Entscheidung der Europäischen Rundfunkanstalt (EBU) reagierte, Israel die Teilnahme zu gestatten. Die Abwesenheit Irlands, zusammen mit fünf anderen Ländern, wie Island, die Niederlande, Slowenien und Spanien, spiegelte die tiefgreifenden politischen und humanitären Konflikte wider, die das Land mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt verbanden.
Die Kontroverse um die israelische Präsenz bei der Veranstaltung begann mit dem Krieg in Gaza im Oktober 2023. Die Eskalation führte zu intensiven Protesten während der Songwettbewerbe, wobei die Teilnehmer der betroffenen Länder bewaffnet wurden. Es gab auch Kontroversen bezüglich der öffentlichen Abstimmung, da einige Staaten behaupteten, dass die Ergebnisse durch die israelische Regierung beeinflusst worden seien. Die EBU erliess eine formelle Warnung an den israelischen Sender Kan, nachdem dieser Videos veröffentlicht hatte, die Fans aufforderten, für Israel abzustimmen.
Die irische Öffentlichkeit und die staatlichen Medien reagierten auf den Boykott unterschiedlich. Die irische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt RTÉ erklärte, dass die Teilnahme Irlands angesichts der Verluste und der humanitären Krise in Gaza unzumutbar sei. Der irische Premierminister Micheál Martin bezeichnete den Rückzug Irlands als einen Akt der Solidarität mit den Journalisten, die im Rahmen des Konflikts getötet worden seien. Ein ehemaliger Minister der irischen Regierung kritisierte die Position der RTÉ als moralisch bankrott im Kontext der Veranstaltung.
Parallel dazu entfaltete sich eine Debatte innerhalb der irischen Gemeinschaft. Die Entscheidung führte zu Fragen hinsichtlich der Bedeutung des kulturellen Boykotts für junge Menschen in Dublin und die Position der jüdischen Gemeinschaft. Einige Mitglieder der Gemeinschaft kritisierten den Boykott als kollektive Bestrafung und äusserten Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gemeinschaft. Sie betonten, dass diese Art von Boykott die Isolation verstärkte und die Sorgen der Gemeinschaft nicht ausreichend berücksichtigte.
Die Beziehungen zwischen Irland und Israel waren bereits vor dem Boykott angespannt. Die irische Regierung verurteilte Israel mehrfach und erkannte 2024 einen palästinensischen Staat an. Die diplomatischen Spannungen eskalierten, als die Botschaft Israels in Irland aufgrund der „extremen anti-israelischen Politik“ der irischen Regierung schloss. Diese Entwicklungen zeigten, dass die Debatte um die Teilnahme Irlands nicht nur eine kulturelle, sondern eine tiefgreifende politische und moralische Auseinandersetzung darstellte.